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Gericht : Ricklinger erschlug seine Frau mit Beil

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

67-jähriger gebürtiger Ricklinger wurde vom Landgericht Hanau verurteilt. Der Mann fühlte sich vom Satan verfolgt.

Dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik wegen Mordes – so lautet das Urteil der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hanau für Jürgen K., der seine Ehefrau am 28. Juli 2013 in der Seniorenwohnanlage „Haus Gründautal“ in Langenselbold (Hessen) mit einem Beil erschlagen hat. Der Mann ist in Rickling geboren. Das Gericht stellte bei dem 67-Jährigen eine krankhafte seelische Störung fest, „eine tickende Zeitbombe“ lautete die Wortwahl von Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze.

Laut Urteil waren depressive Wahnvorstellungen für seinen Irrglaube verantwortlich, dass seine Frau nicht ohne ihn Leben könne und er sie vor seinem geplanten Selbstmord töten müsse. Während die 62-Jährige nichtsahnend lesend auf dem Sofa im Wohnzimmer der gemeinsamen Wohnung lag, hatte Jürgen K. sie an einem Sonntagmorgen um 10 Uhr heimtückisch ermordet. Seinen Suizid, bereits geplant am Bahnhof, vollzog er dann aber nicht.

Dass auf der Anklagebank im Landgericht Hanau nicht einer der üblichen Straftäter oder Verbrecher sitzt, war seit Verhandlungsbeginn klar. Jürgen K. ist psychisch schwer krank und ihm hätte früher geholfen werden müssen. Allerdings konnte er sich anscheinend gut verstellen, lebte seine „dunkle Seite“ immer ganz alleine aus. Dass ihm der „Satan“ in Gestalt eines roten Halbmondes mit einem schwarzen Umhang begegnete, ahnte niemand.

Bis zu seinem 28. Lebensjahr hatte der gebürtige Ricklinger bereits drei Suizidversuche hinter sich und schon längst keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern und den drei Geschwistern. Alkoholkrank lebte er im Hamburger Vergnügungsviertel St. Pauli auf der Straße, bis er schließlich in eine Entziehungsklinik im hessischen Bad Hersfeld kam. Dort lernte er seine Frau kennen, die er 1980 heiratete. 1995 bezogen beide ein Domizil auf dem Campingplatz am Kinzigsee in Langenselbold, 2009 dann der Wechsel in die Wohnung in der Seniorenwohnanlage. Die Teufelserscheinungen begleiteten ihn während dieser ganzen Zeit.

Anfang 2013 wurde es dann ganz schlimm: Er erzählte seiner Hausärztin von seinen Selbstmordgedanken, ließ sich freiwillig in die Psychiatrie in Schlüchtern einweisen. Nach seiner Entlassung Ende April schloss sich eine ambulante Gruppentherapie an. „Aber das war nicht das Richtige für mich, ich hätte eine Einzeltherapie gebraucht“, sagte er. Als sein Therapeut in Urlaub ging, setzte er die Tabletten ab, „mich hat nichts mehr interessiert, ich wollte nur noch sterben“.

Ohne die Medikamente sei ihm der „Satan“ immer öfter erschienen und habe ihn schließlich aufgefordert, seine Frau zu töten. 14 Mal schlug er am 28. Juli 2013 mit einem Beil auf ihren Kopf ein, anschließend lag sie drei Tage lang in der gemeinsamen Wohnung im 2. Obergeschoss. Die Polizei fand die Leiche unter Decken und Tüten auf dem Schlafzimmerboden, luftdicht eingeschlossen unter einer mit Klebeband befestigten Teichfolie.

Seine eigene Tat bezeichnet Jürgen K. heute als „schlimm, fürchterlich“, ähnlich wie sein Leben. An einen Tag, der ihm Freude gemacht habe, konnte er sich kaum erinnern, berichtete dann unter Tränen von einer schönen Silvesterfeier in der Kirchengemeinde. Sein Tagesablauf in den Wochen vor der Tat war eintönig und langweilig, „ich hoffe, dass mir jetzt geholfen wird“, war ihm bereits bei Verhandlungsbeginn sein Schicksal bewusst. Die letzten Worte des Angeklagten vor der Urteilsverkündung: „Es tut mir leid, was der Satan mit mir gemacht hat. Ich würde es gerne rückgängig machen.“

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erstellt am 19.Jan.2014 | 10:00 Uhr

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