zur Navigation springen

Jens Rohwer : Reverenz an einen begnadeten Komponisten und Musikwissenschaftler

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rund 80 Gäste in der Stadtbücherei erlebten eine tiefgehende, interessante und ausgewogene Würdigung.

Neumünster | Etwas verspätet, aber würdig ehrte die Stadt am Sonnabend ihren großen Komponisten, Pädagogen und Musiktheoretiker Jens Rohwer (1914 - 1994) mit einer eindrucksvollen Hommage. Eigentlich bereits zum 100. Geburtstag im November geplant, war die Feier wegen Irritationen über Rohwers Wirken im Nationalsozialismus kurzfristig abgesagt worden (der Courier berichtete).

In dem jetzt nachgeholten Festakt war von Zerwürfnissen nichts mehr zu spüren:
Rund 80 Gäste in der Stadtbücherei erlebten eine tiefgehende, interessante und ausgewogene Würdigung Rohwers. Unter den Gästen waren unter anderem sein Sohn, Prof. Bernd Rohwer, der von 2000 bis 2005 Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein war, sowie Ortwin Kaschner, einer seiner Schüler und Initiator von „Neumünster singt und spielt“.

Die Musikwissenschaftler Dr. Bozena Blechert und Dr. Michael Struck referierten über Biografie und das musikalische Schaffen Rohwers, unter anderem über seine Leistungen an der Landesmusikschule und später an der Musikhochschule Lübeck, deren Direktor Rohwer von 1955 bis 1971 war.

Für Musikfreunde gab es zahlreiche Einblicke in das umfangreiche kompositorische Schaffen. Dr. Struck führte sowohl in Rohwers Lied- als auch Kammermusik ein, indem er über Struktur, kompositorischen Aufbau und über Wirkungen der Musik im gesellschaftlichen Umfeld ihrer Entstehung philosophierte.

Musikalisch begann der Singkreis der Musikschule unter der Leitung von Karlheinz Grube mit Chorliedern, die Rohwer in der Schrift „Liedsammlung für den Musikunterricht“ publizierte. Die Hamburger Chamber Players mit Ian Mardon (1.  Violine), Tatjana Dreibrodt (2.  Violine), Julia Mensching (Viola) und Ralf Herbrechtsmeyer (Violoncello) boten einen repräsentativen Querschnitt der Rohwerschen Musik. In der „Kleinen Sonate für Violoncello“ aus dem Jahre 1944, von Yuko Hirose am Klavier und Julia Mensching (Viola) vorgetragen, verwies Struck auf Zweifel, Resignation und Trauer, die der Komponist einfließen ließ. Mit „Heptameron“ (1954) habe Rohwer die „musikalische Praxistauglichkeit für die Jugendmusikbewegung“ getestet, so Struck. Die „Zwei Sätze für Violoncello und Klavier“ aus dem Jahre 1975 hoben sich dann deutlich von den anderen Werken ab.

Die Gäste waren sich mit Blechert einig: Rohwer sei ein begnadeter Komponist und Musikwissenschaftler gewesen, der mit seinem Schaffen nicht nur die norddeutsche Musiklandschaft prägte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen