Jahresbilanz : Rettungswache könnte bald zu klein sein

Rainer Scheele (links), stellvertretender Chef der Berufsfeuerwehr, und Bernd Schümann, Abteilungsleiter Verwaltung, stellten jetzt eine vorläufige Bilanz auf. Genaue Zahlen soll es Ende Februar geben.
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Rainer Scheele (links), stellvertretender Chef der Berufsfeuerwehr, und Bernd Schümann, Abteilungsleiter Verwaltung, stellten jetzt eine vorläufige Bilanz auf. Genaue Zahlen soll es Ende Februar geben.

Es gibt immer mehr Einsätze für den Rettungsdienst. Auch Feuerwehr hatte 2014 gut zu tun, größere Brände aber blieben aus.

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12. Januar 2015, 11:00 Uhr

Neumünster | Kaum ist die neue Feuer- und Rettungswache im Gefahrenabwehrzentrum eröffnet, da könnte zumindest der Teilbereich der Rettungswache schon bald wieder zu klein sein. „Wenn die Entwicklung der Einsatzzahlen im Rettungsdienst so weitergeht, dann wird der Platz für Fahrzeuge mittelfristig wieder knapp“, sagt Rainer Scheele, stellvertretender Chef der Berufsfeuerwehr.

Rückten 2004 die Krankenwagen noch zu 12  000 Einsätzen aus, waren es 2013 bereits mehr als 18  600. Vorläufigen Schätzungen zufolge stieg die Zahl im vergangenen Jahr um weitere 2 Prozent. „Wir kommen der 20  000er-Marke immer näher und die Tendenz steigt“, sagt Bernd Schümann, Abteilungsleiter Verwaltung bei der Berufsfeuerwehr. Scheele betont, die neue Wache entspreche den aktuellen Vorgaben, derzeit gebe es keine Probleme. Allerdings sind auch alle Garagen in dem Zweckbau voll. „Müssen nun weitere Fahrzeuge dazukommen, wird es eben eng“, so Scheele.

Für die Abteilung Feuerwehr war 2014 ein vergleichsweise ruhiges Jahr ohne spektakuläre Einsätze oder Großbrände. „Das kam uns sehr entgegen, weil wir genug mit dem Umzug zu tun hatten. Da haben alle kräftig mit angepackt“, lobt Scheele das Engagement der rund 120 Mitarbeiter. Noch immer sind die Handwerker im Haus und erledigen Restarbeiten. Parallel werden die Werkstätten und Arbeitsräume eingeräumt. „Wir sind gut davor. Und alle sind froh, dass wir nun hier sind“, sagt Bernd Schümann. Auch die neue Alarmausfahrt zum Hansaring hat sich bewährt. „Wir justieren noch etwas an der Ampelschaltung, aber ansonsten sind wir sehr zufrieden“, erklärt Rainer Scheele.

Auch bei den sieben Freiwilligen Feuerwehren in der Stadt war 2014 arbeitsreich. Bei ihnen stieg die Zahl der Einsätze von 213 im Vorjahr auf 240. Besonders stark belastet war wieder die Wehr Stadtmitte (siehe Infokasten). Besonders auffällig: 2013 gab es insgesamt 35 blinde, böswillige oder sonstige Fehlalarme, im vergangenen Jahr schnellte die Zahl auf 57 hoch. Wegen ausgelöster Brandmeldeanlagen rückten die Kameraden 37 Mal aus, das ist ein Anstieg von 13.

Gleichzeitig sank die Zahl der Aktiven insgesamt von 288 auf 283 und hat damit den Stand der Jahre 2001 bis 2003 wieder erreicht. Im Spitzenjahr 2008 waren noch 300 Männer und Frauen bei den Blauröcken aktiv. Zulegen konnten lediglich die Wehren in Gadeland (von 43 auf 46 / Jugendwehr von 11 auf 16) und Tungendorf-Stadt (von 39 auf 41). In Tungendorf-Dorf (39) und Stadtmitte (29) blieb die Zahl der Aktiven konstant. Stärkste Wehr bleiben die Einfelder mit 49 Männern, obwohl sie mit 5 Abgängen den stärksten Rückgang verzeichneten. Die Gadelander mit 46 sind nun fast genauso stark.

Kommentar von Christian Lipovsek

Vorausschauend

Jetzt sind Feuerwehr und Rettungsdienst gerade in eine moderne Wache gezogen, und schon beschweren sie sich  wieder. So mag mancher denken, wenn er hört, dass die Rettungswache schon bald wieder zu klein sein könnte. Doch so weit ist es noch nicht. Nicht heute, auch noch nicht morgen. Die Aussage bezieht sich auf die mittelfristige Zukunft, und es ist vorausschauend, diese im Blick zu behalten. Das macht die Geschichte deutlich. Als an der Wittorfer Straße vor über 80 Jahren eine Wache gebaut wurde, hat noch niemand mit den im Vergleich zu damaligen Verhältnissen  gigantischen Fahrzeugen gerechnet, die heute zur Sicherheit aller Bürger ihren Dienst tun. Immer wieder sind im Laufe der Jahrzehnte neue Vorgaben, Gesetze und Anforderungen für die Feuerwehr und den Rettungsdienst hinzugekommen. Nicht nur für die Menschen, sondern eben auch für die Maschinen. Die Entwicklung bleibt nun nicht stehen. Sicherlich ist es vielleicht nicht gerade glücklich, auf diesen Umstand gerade nach einem Umzug hinzuweisen, doch die Zahlen geben allen Anlass dazu. Und eines ist auch klar: Die neue Feuer- und Rettungswache ist kein Prunkbau. Es ist ein Zweckbau, der den heutigen Anforderungen genügt – aber eben auch nur den heutigen.

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