Neumünster : Rettungsdienst: Neue Autos, zu wenig Personal

Michael Schulz (von links), Christoph Trockel, Thomas Hoch, Karl-Heinz Herrmann und Carsten Voß präsentieren die neuen Wagen.
Michael Schulz (von links), Christoph Trockel, Thomas Hoch, Karl-Heinz Herrmann und Carsten Voß präsentieren die neuen Wagen.

Die Berufsfeuerwehr hat zwei neue Rettungs- und einen Notarztwagen in Dienst gestellt.

von
26. Januar 2018, 08:15 Uhr

Neumünster | Jeweils 250 000 Euro kosten die beiden neuen Mehrzweck-Rettungswagen für den Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr. Sie wurden auf Basis eines Mercedes-Sprinters gebaut. Das ebenfalls nagelneue Notarzt-Einsatzfahrzeug (T6 VW-Bus) kostet weitere 140 000 Euro. Finanziert werden sie durch die Krankenkassen als Kostenträger.

Nach fünf beziehungsweise sieben Jahren mit 200 000 Kilometern auf dem Tacho und im Schnitt zehn Einsatzfahrten pro Tag haben die Vorgänger-Fahrzeuge ausgedient und gehen in die Reserve. Technisch ist der Rettungsdienst auf dem neuesten Stand. Doch ihm fehlen zunehmend die Retter.

„Wir haben drei tolle neue Autos, aber uns fehlt das Personal, sie zu fahren“, sagt Rettungsdienst-Leiter Karl-Heinz Herrmann, der im Februar in den Ruhestand geht. In allen Qualifikationsstufen vom Rettungssanitäter über den Rettungsassistenten bis zum Notfallsanitäter fehle Personal. Auch bei den Beamtenanwärtern gehe die Zahl der Bewerber zurück, sagt Herrmanns designierter Nachfolger Carsten Voß.

26 Beschäftigte gibt es aktuell im Rettungsdienst. Dreieinhalb Stellen sind schon seit längerem nicht besetzt, betont der Leiter der Rettungswache, Thomas Hoch. Herrmann: „Wir sind schon lange zu 15 Prozent unterbesetzt. Die Kollegen arbeiten mehr, haben weniger Freizeit und mehr Belastung.“ Die Krankenrate bei den Beschäftigten im Rettungsdienst liege zurzeit bei 9,5 Prozent. Da im Notfall die Wagen auch von Feuerwehrleuten besetzt werden, ist die Einsatzbereitschaft gewährleistet. „Wir halten unsere Hilfsfristen zu 96 Prozent ein, sind in zwölf Minuten vor Ort“, so Herrmann: „Mit dem Rettungs- und Notarztwagen bringen wir die Intensivstation vor Ort.“ Letztere sind nicht im Gefahrenabwehrzentrum an der Färberstraße, sondern im Friedrich-Ebert-Krankenhaus stationiert. Auch hier steigt de Zahl der Einsätze von Jahr zu Jahr. „Wir haben etwa 2600 Notarzteinsätze in Neumünster. Das ist eine Quote von acht Einsätzen in 24 Stunden“, sagt Christoph Trockel, der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes.

Michael Schulz ist Anleiter für die Notfallsanitäter und kritisiert die Vollkasko-Mentalität: „30 bis 40 Prozent der Einsätze hätten keinen Rettungsdienst oder Notarzt benötigt.“ Auch Notarzt Trockel wünscht sich einen bewussteren Umgang mit der Ressource Rettungsdienst. „In Not anrufen, in kleiner Not lieber nochmal überlegen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen