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Tuch + Technik : Rettung der Werkhalle rückt in Sicht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sanierung des Museumsmagazins an der Klosterstraße könnte mit Qualifizierungsprojekt für Jugendliche verknüpft werden

von
erstellt am 19.Mai.2014 | 17:00 Uhr

Neumünster | Die Stadt möchte die Werkhalle des Museums Tuch + Technik an der Klosterstraße sanieren und als Standort für Kulturveranstaltungen wie den Kunstflecken erhalten. Der Clou dabei ist die Verknüpfung mit einem geförderten Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekt: Die Arbeiten sollen von Jugendlichen ohne Schul- oder Berufsabschluss und Langzeitarbeitslosen ausgeführt werden.

Der Ausbildungsverbund Neumünster (AVN) hat bereits signalisiert, als Träger einer sogenannten Produktionsschule bereit zu stehen. In diesem Projekt werden den Teilnehmern praktische handwerkliche Fertigkeiten, aber auch soziale Kompetenzen vermittelt. Der AVN betreibt bereits eine solche vom Jobcenter geförderte Produktionsschule.

Die Stadt würde mit dieser Kombination zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Im Museumsdepot verrosten die historischen Zeugnisse aus Neumünsters Vergangenheit als Tuchmacherstadt. Die hohe Luftfeuchtigkeit, Rost und Kälte setzen den Maschinen zu. Deshalb gibt es schon länger Überlegungen des Fördervereins, nach dem Vorbild der Niederdeutschen Bühne einzelne Bereiche der früheren Industriehalle einzuhausen. In solchen Klimaboxen wären die Exponate besser geschützt.

Die Kosten für diese Boxen, Zwischenwände und Regale schätzt die Verwaltung auf einmalig 73 000 Euro und empfiehlt, dafür bis 2016 auch die entsprechenden Haushaltstitel einzustellen. Deutlich teurer wird mit geschätzten 203 000 Euro pro Jahr der Betrieb einer Produktionsschule. Sie soll ab September mit 16 bis 20 schwer in den Arbeitsmarkt integrierbaren Jugendlichen an den Start gehen und ist zunächst bis Ende 2016 befristet.

Aufgrund der knappen Mittel im Haushalt ist das Projekt nur machbar, wenn die Kosten überwiegend durch Dritte übernommen werden. Die Stadt hofft hier auf Fördermittel vom Jobcenter und der Agentur für Arbeit, die aber noch nicht über eine Kofinanzierung entschieden hat. Der Anteil der Stadt betrüge knapp 27 000 Euro im Jahr, wenn sich die Arbeitsagentur nicht beteiligt, auf jährlich 35 000 Euro. Das müsste bei der Aufstellung des nächsten Doppelhaushalts 2015/16 der Stadt berücksichtigt werden. Für dieses Jahr stünden nicht verbrauchte Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket bereit.

Mit dem Thema befasst sich der Hauptausschuss, der am kommenden Dienstag, 20. Mai, um 18.30 Uhr im Sitzungszimmer 2.6 des Rathauses tagt. Endgültig entscheiden muss die Ratsversammlung am 3. Juni.

Kommentar

Geschichte bewahren

Ein Museum, das ernst genommen  werden will, kommt nicht ohne ein gut bestelltes Depot aus, in dem es seine Schätze  bewahren kann. Wer schon einmal Gelegenheit hatte, die Schatzkammer des Museums Tuch + Technik, die Werkhalle an der Klosterstraße, zu inspizieren, muss allerdings kein Experte sein, um festzustellen,dass  Neumünsters Museumsdepot  seiner Aufgabe kaum gerecht werden kann. Die Zeugen aus Neumünsters Zeit als Tuchmacherstadt  rotten stumm vor sich hin, ohne dass das bislang jemand aufhalten konnte.  So lässt sich Geschichte  auf Dauer kaum bewahren. Wenn sich jetzt  die Chance  bietet, die Situation – mit einem sinnvollen Qualifizierungsprojekt  verknüpft – grundlegend und zu einem annehmbaren Preis zu verbessern, sollte die Stadt nicht lange zögern.

Jens Bluhm

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