Elly-Heuss-Knapp-Schule : Reportage aus der Ausländerunterkunft

Im Klassenzimmer in der Ausländerunterkunft  wird eifrig gelernt.
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Im Klassenzimmer in der Ausländerunterkunft wird eifrig gelernt.

Schüler der Elly-Heuss-Knapp-Schule informierten sich während des Zisch-Projekts in der Ausländerunterkunft am Haart.

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20. Juni 2014, 17:45 Uhr

Neumünster | „Mit mehr als 400 Menschen fahren wir am Rande der Kapazitäten!“, sagt der Sicherheitsbeauftragte der Ausländerunterkunft am Haart. Von außen wirkt das Heim wie ein Gefängnis, die Bewohner scheinen eingesperrt zu sein. Überall sitzen und stehen Menschen, die uns interessiert ansehen. Die Stimmung wirkt angespannt. Hinter der großen Sicherheitsschranke, die auf das ehemalige Kasernengelände führt, begrüßt uns der Pförtner.

Unser Weg führt am großen Essensaal, dem Kindergarten und großen Gebäuden vorbei, die an alte Mehrfamilienhäuser erinnern. Wir betreten das hinterste Gebäude, in dem wir die Schule besuchen sollen. Eine freundliche Lehrerin begrüßt uns kurz und wendet sich dann wieder ihrer Klasse zu. Die Schüler sind zwischen sechs und 16 Jahre alt. Sie lernen Deutsch, Mathe und Schreiben. Die Lehrerin kommuniziert mit Mimik, Gestik und einfachen Worten.

Zwei Mitarbeiter des DRK, die Sozialarbeiterin Nele Brüser, und der stellvertretende Projektleiter Tim Künstler, berichten uns über das Asylbewerberheim und den Weg als Flüchtling. Schleswig-Holstein muss 3,3 Prozent der Asylbewerber für Deutschland aufnehmen. Diese kommen dann in die Ausländerunterkünfte. Da viele Menschen keinen Pass haben, müssen oft die Herkunft, das Alter und andere Personalien geklärt werden, bevor über einen möglichen Aufenthalt entschieden werden kann. Trotzdem bleiben hier die Menschen nicht länger als zwei bis drei Wochen.

Vielleicht ist das der Grund, warum in der Klasse eine bedrückte Stimmung herrscht und die Schüler uns teilweise fasziniert, teilweise befremdlich ansehen. In dem Gebäude riecht es nach Rauch und Exkrementen. Es ist stickig warm, obwohl jedes Fenster gekippt ist. Nele Brüser erklärt uns, dass für die Bewohner drei Mahlzeiten am Tag bereitgestellt werden. Es wird Rücksicht auf Ernährungsgewohnheiten wie der Verzicht auf Schweinefleisch aus religiösen Gründen, Vegetarier oder Veganer genommen. Als ein Kind niest, schickt die Lehrerin es zum Hände waschen. Hygiene ist wichtig. Sollte es zu Krankheiten kommen, hilft das Rote Kreuz. Auch bei psychischen Problemen können die Menschen sich an Sozialarbeiter oder das DRK wenden.

Die Sprachbarrieren werden durch professionelle Dolmetscher behoben. Oft sind die Menschen traumatisiert und benötigen dringend therapeutische Unterstützung. Wir interviewten ein junges Mädchen (12) aus dem Kosovo. Sie erzählte, dass sie bis zu acht Sprachen fließend sprechen kann, darunter auch Deutsch. Sie ist schon seit sechs Monaten nicht mehr in ihrer Heimat gewesen. Der Grund: Ihr Vater wurde verfolgt. Das Mädchen ist sehr viel herumgekommen. Sie war bereits in Schweden und anderen Ländern. Wie sie zurück nach Deutschland gekommen ist, erzählte sie nicht.

Die meisten Asylbewerber haben eine Menge mitgemacht. Das können wir gar nicht nachvollziehen. Die Lehrerin sagte: „Mein größter Wunsch ist: Begegnet den Menschen vorurteilsfrei und freundlich. Einfach mal ein Lächeln schenken.“







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