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Vorbeugung : Rentner wollen sich selbst verteidigen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Meldungen über wachsende Kriminalität beschert Sportstudios eine neue Klientel / „Sicherheitstage“ zeigen, was Rentner tun können

von
erstellt am 12.Mär.2015 | 05:00 Uhr

Neumünster | Die Hilflosigkeit soll ein Ende haben: Vor dem Hintergrund immer neuer Meldungen über dreiste Überfälle und rabiate Diebstähle wollen offenbar immer mehr ältere Menschen aktiv etwas für ihre Sicherheit tun. „Gerade ältere Menschen kommen verstärkt in unsere Sicherheitskurse, um zu lernen, wie sie im Falle eines Falles richtig reagieren oder sich auch wehren können“, sagte gestern Wolfgang Hagge, Betreiber des Kampfsport-Zentrums Dojo Jiyu am Haart, über den neuen Trend: „Das ist ein wachsender Markt.“

Hagge war gestern Gastgeber der „Sicherheitstage“, zu denen das Seniorenbüro im Rahmen der laufenden Aktivwochen für Senioren gezielt ältere Menschen einlädt, um das eigene Sicherheitsgefühl zu stärken und sich für den Alltag besser zu rüsten. Das reicht vom Tipp, wie man Abzocker an der Haustür erkennt (und wieder los wird!) bis hin zum sportlich-psychologischen Training, wie man auch als scheinbar unterlegenes Opfer einem Handtaschenräuber Paroli bieten kann. „Wir empfehlen niemandem, den Helden zu spielen, aber wenn man als älterer Mensch im Park beraubt wird, muss man sich nicht auch noch beim Sturz nach einem Schubser das Handgelenk brechen“, sagte Hagge. Diese Erkenntnis bewegt offenbar auch immer mehr ältere Menschen: „Die wollen einfach nicht länger hilflos sein!“, sagt Hagge.

Genau das treibt auch die Zwillingsschwestern Christa-Marie Glöckner-Cadura und Rose-An Cadura (73) an. Die beiden rüstigen Damen ließen sich im kleinen Kreis Gleichgesinnter von dem erfahrenen Judoka Hermann Plath (68) zeigen, wie man auch einen überraschenden Sturz, etwa nach einem heftigen Rempler, möglichst unverletzt übersteht. Wie man dem Klammergriff eines Angreifers entkommt, demonstrierte der Trainer am einzigen männlichen Teilnehmer der Runde, Erhard Hütter (76). Als der rüstige Rentner versucht, ihn zu umfassen, greift Plath ihm blitzschnell in den Schritt. Durch den Schrecken ließ Hütter den Trainer sofort los. Ähnlich könne auch ein kurzer heftiger Kniff am besten ins weiche Fleisch des Gegners schon Wunder wirken, erklärte Erhard Plath. Seine Botschaft war klar: Der körperlich Unterlegene ist nicht automatisch schon der Verlierer. Das soll auch den Senioren Selbstvertrauen geben, einem möglichen Angreifer, dem man nicht mehr ausweichen kann, selbstbewusster gegenüber aufzutreten. Wolfgang Hagge empfiehlt dazu, im Falle eines Falles Blickkontakt zu halten, Körperhaltung zu wahren und die Opferrolle zu meiden – die bestärke nur den Angreifer.

Christa-Marie Glöckner-Cadura und Rose-An Cadura hörten aufmerksam zu. Bei einem Türkei-Urlaub haben sie erlebt, wie ein wildfremder Mann Rose-An mit der Hand durch die blonden Haare fuhr. Die beiden Frauen fühlten sich hilflos und erniedrigt: „Wir wollen solche Erfahrungen nicht wieder machen“, haben sie sich vorgenommen. Noch gestern meldeten sie sich für den nächsten Sicherheitskursus an.

 

STANDPUNKT

von Jens Bluhm

Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner? – Nein, soweit sind wir noch nicht. Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Die Überwältigung   des Räubers sollten wir  lieber der Polizei überlassen und im Zweifelsfall natürlich den  Einbrecher lieber mit dem  Familienschmuck ziehen lassen, als unsere Gesundheit aufs Spiel zu setzen.  Aber  in vielen Fällen  – das bestätigen auch Kriminalpsychologen – wäre schon viel gewonnen, wenn wir dreisten Räubern, Abzockern und anderen Ganoven gegenüber selbstbewusster  auftreten und uns nicht gleich wegducken. Gangster lieben uns in der Opferrolle und scheuen  das Risiko. Also,  Senioren, auf zum Sicherheitstraining!

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