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Strassenbaubeiträge in Neumünster : Rente geht für Straßenbau drauf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein 71-jähriger Rentner aus Neumünster fürchtet Zahlungen bis zu 44.000 Euro und muss deshalb weiter arbeiten.

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erstellt am 01.Mai.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Mehr als 40 Jahre lang hat Heinz Wegener (71) gearbeitet, um seine Altersvorsorge zu sichern. Er hat auf jeden Urlaub verzichtet und neben seinen durchaus umfangreichen Aufgaben als selbstständiger Transportunternehmer in der Freizeit drei baufällige Häuser nach und nach in Eigenleistung renoviert – eins als Wohnhaus für sich selbst, zwei um sie als Altersvorsorge zu vermieten. Doch jetzt steht er quasi vor dem Nichts. Denn seine drei kleinen Häuser haben eine großen Fehler: Sie stehen an der Frankenstraße. Und dort werden happige Straßenbaubeiträge fällig.

Hein Wegener droht in diesem Zusammenhang nach ersten Schätzungen eine Zahlung zwischen 29.000 und 44.000 Euro. Der Betrag könnte aber auch noch höher ausfallen, meint er.

Damit ist für den alleinstehenden Kleinunternehmer der Traum vom Ruhestand, der eigentlich bereits vor einem Jahr beginnen sollte, vorbei. Denn von seiner kleinen Rente aus rund 200 Euro aus einem kurzen Angestelltenverhältnis in jungen Jahren nach der Bundeswehrzeit sowie den Mieteinnahmen kann er die Summe keinesfalls zahlen. „Ich werde gezwungen, mindestens bis 80 weiterzuarbeiten. Dabei wollte ich endlich auch mal reisen“, sagt er.

Die vergangenen Jahrzehnte hat er nämlich nahezu durchgeschuftet. „Mit 30 Jahren hatte ich meinen ersten Bausparvertrag. Mitte der 70er-Jahre habe ich mir an der Frankenstraße das erste renovierungsbedürftige Haus gekauft und habe alles nach Feierarbeit in Eigenleistung am Haus fertig gemacht“, erzählt der 71-Jährige. Rund zehn Jahre später stand ein nahezu abrissreifes Häuschen in der Nachbarschaft zum Verkauf. Heinz Wegener schlug für 80.000 Mark zu, zog in die Ruine, vermietet zur Finanzierung das andere Haus und machte sich wieder über Jahre ans Werk: Er dichtete das Dach ab, tauschte Fenster aus und baute eine Heizung ein.

Rund zehn Jahre später kaufte er das dritte kleine Renovierungsobjekt. „Denn ich wusste, ich brauche noch ein Haus, um einmal von den Mieten leben zu können“, sagt er. Die Straßenbaubeiträge wird Wegener nicht zahlen können, denn er hat mit seinem Modell nur etwas mehr als die gesetzliche Grundrente zur Verfügung. „Jetzt bleibt mir die Wahl zwischen Zwangsversteigerung oder Arbeiten bis ins Greisenalter“, sagt er.

Dass er die Rechtslage nicht ändern kann, ist Heinz Wegener bewusst – spätestens seit er Rücksprache mit einem befreundeten Anwalt gehalten hat. Dennoch ist er wütend auf die aktuelle Regierung, die diese Regelung zulässt. Das Gespräch mit der Stadt hat er nicht gesucht. „Ich bin zu stolz, um mich auf die Knie zu werfen. Ich kann nur hoffen, dass ich trotz meines Alters noch lange gesund bleibe“, sagt er.

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