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Holsteinischer Courier

17. Dezember 2017 | 07:49 Uhr

Bahnstreik : Reisende zeigten wenig Verständnis

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Am Wochenende war für viele in Neumünster erst einmal Endstation. Richtung Norden fuhren nur wenige Züge.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Neumünster | „Hurra, ein Zug kommt!“ Sichtlich erleichtert stieg Bettina Bredschneider am Sonntagmittag am Bahnhof in eine der wenigen Bahnen in Richtung Flensburg. Fast eineinhalb Stunden musste die Frau aus Faldera warten, ehe sie zu ihrem Freund in die Fördestadt reisen konnte. Durch den Streik der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) fielen am Wochenende fast alle Regionalbahnen, Schleswig-Holstein-Express- und Fernverkehrszüge in Schleswig-Holstein aus. Zwar funktionierte der Not-Fahrplan, die meisten Reisenden hatten aber kaum Verständnis.

Gerade am Sonnabend gab es viele fragende Blicke auf die Anzeigetafeln. Die Bahn setzte ab 10 Uhr zwei zusätzliche Service-Mitarbeiter ein, die jedoch wenig ausrichten konnten. „Ich halte den Streik für überzogen. Er kommt nicht da an, wo er sollte“, meinte Patrick Schröder aus Bad Oldesloe, der seine Freundin Inga Liedtke zurück nach Kiel bringen wollte. Beide hatten sich vorab im Internet informiert, ob der Regional-Express fährt. Doch als sie in Neumünster am Gleis 3 umsteigen wollten, erlebten sie eine Pleite: „Zug fällt aus“ stand wie bei so vielen Verbindungen auf der Anzeigetafel.

Auch für Sune Borkfelt und seine Töchter Deva (13) und Dicte (9) war in Neumünster zunächst Endstation. „Wir kommen aus Berlin und wollen nach Apenrade“, erzählte der Däne. Der Intercity aus Berlin sei planmäßig gefahren, aber in Hamburg habe er schon warten müssen. „Wir werden heute wohl noch ankommen“, gab er sich optimistisch.

Vom Streik überrascht wurde auch Wolfgang Börnsen. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete war am frühen Sonnabendmorgen aus Estland zurückgekehrt, wollte eigentlich mit der Bahn aus Frankfurt zurück nach Hause in den Kreis Schleswig-Flensburg. „Ich bin dann auf den teureren Flieger umgestiegen und habe in Hamburg fast vier Stunden auf einen Zug gewartet“, erzählte er. Er kritisierte die Informationspolitik der Bahn: „Hier in Norddeutschland reisen viele Dänen und andere Touristen, aber die Ansagen sind, wenn überhaupt, nur auf Deutsch.“ Auch für ältere Leute sei der Streik ein großes Problem: „Viele haben kein Internet, um sich zu informieren“, schimpfte Börnsen.

Wer am Wochenende mit einer Fahrkarte des Schleswig-Holstein-Tarifs mehr als 20 Minuten zu spät an sein Reiseziel gekommen ist, kann innerhalb von drei Tagen eine Entschädigung beantragen. Nähere Informationen gibt es unter www.nah.sh im Internet.

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