Reise in das Land der Sehnsüchte

'Da ist das Schlaraffenland':     Birgit Comberg und Peter Thurmann vom Stifterkreis  der Kunsthalle Kiel waren von der Schlaraffenland-Karte beeindruckt und fasziniert. Foto: Fotos: vaquette
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"Da ist das Schlaraffenland": Birgit Comberg und Peter Thurmann vom Stifterkreis der Kunsthalle Kiel waren von der Schlaraffenland-Karte beeindruckt und fasziniert. Foto: Fotos: vaquette

Ausstellung "54° 4 min." des Berliner Künstlers Thorsten Goldberg in der Gerisch-Stiftung eröffnet / Über 250 Gäste kamen und waren fasziniert

shz.de von
16. Juli 2012, 06:26 Uhr

Neumünster | Was wäre, wenn man immer in eine Richtung geht auf dem 54. Breitengrad, auf dem die Gerisch-Stiftung liegt? Auf diese ganz spezielle Reise nahm der Künstler Thorsten Goldberg gestern über 250 Gäste bei der Eröffnung seiner Ausstellung "54° 4 min." in der Galerie und der Wachholtz-Villa mit. Über allen schwebten Wolken - nicht nur die am Himmel, sondern vor allem die gewichtige Skulptur "Cumulus 11.08", die sich an einem Stahlträger sanft drehte und als neuestes Werk in der ständigen Skulpturenpark-Sammlung die Blicke auf sich zog.

Tagelang war bis nachts alles geschleppt, aufgebaut, verkabelt, ausbalanciert und ins rechte Licht gerückt worden. Ausdrücklich dankte Dr. Martin Henatsch, künstlerischer Leiter der Stiftung, dem Helferteam für die reife Leistung. "Hier kann man sich in ein virtuelles Schlaraffenland entführen lassen. Das lädt zum Träumen ein", schwärmte Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek und konnte sich ein Wortspiel mit Blick auf die "Cumulus"-Skulptur nicht verkneifen: "Man kann vermuten, dass das Ehepaar Gerisch demnächst auf Wolke 7 schwebt."

Dem war so: "Wir haben nicht nur einen mutigen, sondern auch einen guten Schritt nach vorn getan", sagte Herbert Gerisch. In fünf Jahren habe sich die Stiftung gut entwickelt, er und seine Frau Brigitte seien "glücklich und ein bisschen stolz", zumal die Stiftung und ihr Skulpturen-Park seit neuestem im Museumsführer der Zeit-Stiftung als einer von drei Kunst-Standorten in Schleswig-Holstein aufgeführt sei, was er bei einem Besuch der "Art Basel" festgestellt hatte.

Wie Columbus, der das Paradies entdecken wollte, gingen die Besucher der Vernissage auf Entdeckungstour - ganz im Zeichen des Leitgedankens hinter der Gerisch-Stiftung: der Suche nach Arkadien. Über 1400 Orte listet der Berliner Künstler entlang des Breitengrades 54 auf, von Sierksdorf bis hin zur Pazifikküste. "Das ist eine tolle Idee, man braucht Geduld, um sich im Bilderwirrwarr zurecht zu finden", meinten Ingrid und Gerhard Hartmann. Karin und Manfred Dautzberg fanden diese Idee "spannend" und hatten auf der großen Foto-Wand schnell die Luftansicht der Gerisch-Villa entdeckt.

Publikumsmagnet war auch eine riesige Karte des Schlaraffenlands. "Damals gehörte das zum Weltbild. Damit lädt Goldberg die Banalität des Alltags mit romantischen Sehnsuchtsorten auf", sagte Henatsch zu der Karte, die aus dem Jahr 1700 stammt. Da Goldberg keinen Längengrad nennt, mache er aus dem utopischen Ort keinen reellen, so Henatsch. Die Besucher waren von der Karte fasziniert: "Das ist so etwas Wunderbares. Man kann eine Stunde davor stehen und immer wieder etwas entdecken. Das bringt ganz viel Humor in die Ausstellung", sagte Birgit Comberg vom Stifterkreis der Kunsthalle Kiel und kreiste mit dem Finger zu "Schweinlandia", dem "unbekannten Land der Frommen", "Luder Meer" und "Trunkensee". Auch eine Videoinstallation in der Galerie, ein Holztafel-Objekt mit Schlaraffenland-"Promise"-Sprüchen, und eine blaue Neonröhren-Wolken-Skulptur thematisieren die Wolke als Projektionsfläche menschlicher Sehnsüchte. "Ich bin total überwältigt und beeindruckt. So eine geistige Wanderung anzutreten, gibt einem unglaubliche Möglichkeiten", sagte Elisabeth Meister aus Neumünster.

Vom Nolde-Museum in Niebüll auf dem Weg ins heimische Bochum ist Annette Köhne (44). Sie betrachtet mit Tochter Rosa (2) die monumentale Wolken-Skulptur. Ihre Meinung: "Es ist wirklich lohnenswert, hierher zu kommen. Der Park ist so romantisch!"

Die Ausstellung ist zu diesen Zeiten im Gerisch-Park zu sehen: Mittwoch bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet sechs Euro. Kinder bis sechs Jahren sind frei; Familienkarte: zehn Euro.

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