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Baulücke : Reichshalle: Neue Pläne für das Grundstück

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

19 Jahre nach dem Abriss des legendären Veranstaltungssaals planen Investoren einen Neubau an der Ecke Altonaer Straße/Propstenstraße

von
erstellt am 13.Aug.2015 | 06:00 Uhr

Neumünster | Franz Josef Strauß stieg hier im Bundestagswahlkampf 1969 in die Bütt, die Nord-Grünen gründeten 1980 ihren Landesverband. Ältere Neumünsteraner kennen die am 29. Mai 1996 abgebrannte „Reichshalle“ vor allem als Tanzsaal. Von dem geschichtsträchtigen Gebäude steht längst nur noch ein kleiner Trakt, in dem früher die Bar war. Das Gelände ist eingezäunt, das hölzerne Gerippe einer Schildereinfassung zeugt von nie verwirklichten Bauplänen. Doch jetzt könnte neues Leben auf der Brachfläche an der Ecke Propstenstraße/Altonaer Straße einkehren.

Nach Courier-Informationen will eine Investorengruppe das knapp 800 Quadratmeter große Areal kaufen und plant hier ein Geschäftshaus mit Praxen, Büros und einer Penthouse-Wohnung. Es gibt bereits eine Bauvoranfrage. Genehmigungsfähig seien zweieinhalb Geschosse, hieß es von dem beauftragten Planungsbüro. Nähere Details möchten der Architekt und die Investoren aus Neumünster aber zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht preisgeben.

Eine Baugenehmigungsplanung sei in Vorbereitung, sagte der Architekt. Ein generelles Problem könne noch der Nachweis der Kampfmittelfreiheit sein: Neumünster wurde im Zweiten Weltkrieg mehrfach schwer durch alliierte Luftangriffe bombardiert. Die Prüfung auf mögliche Blindgänger im Untergrund durch das Landeskriminalamt dauert zurzeit acht bis zehn Wochen.

„Wir begrüßen es als Stadt natürlich, dass das Gelände baulich wieder genutzt werden soll“, sagte Bernd Heilmann vom Fachdienst Stadtplanung und Stadtentwicklung. „Die Innenstadt innerhalb des Rings wird zum Wohnen wieder attraktiver“, sagte Bernd Heilmann.

Viele Gäste von damals kennen dieses Bild: „Käte Lindemann stand mit ihrer Kittelschürze hinter dem Tresen und hatte von dort immer alles im Blick“, erinnert sich die frühere Courier-Redakteurin Monika Krebs an die legendäre Gastwirtin. Die hatte die Reichshalle von ihrem Vater Detlef Lindemann übernommen und baute den Saalbetrieb mit Kegelbahn und der Bar nach dem Krieg zu einem bekannten Veranstaltungsort aus. Die Reichshalle war Schauplatz von Abifeiern, Faschingsfesten, Pressebällen und dem Ball des Sports. 1977 berichtete der Courier über Damen-Boxen im Saal.

1986 starb Käte Lindemann im Alter von 78 Jahren. Da sie keine Kinder hatte, hatte sie ihren fleißigen Kellner Rainer Spehr adoptiert und zum Nachfolger bestimmt. Doch das Unternehmen ging schief. 1989 wurde die Reichshalle zwangsversteigert. Den Zuschlag bekam als einziger Interessent eine „Bietgemeinschaft Okkert“ für 241  000 Mark. Der Versuch von Statt-Theater und Kulturverein, die Reichshalle als „Culturcentrum“ zu etablieren, scheiterte nach drei Jahren. Seit 1993 stand die Reichshalle leer und wurde nach dem Brand abgerissen.

Standpunkt: Die Innenstadt hat Potenzial

Die Brache der früheren Reichshalle war zwar kein Schandfleck wie die unvollendet abgerissene Ruine des Klosterbades. Doch ein schöner Anblick ist so eine große Baulücke mitten in der Innenstadt natürlich nicht. Dass jetzt Investoren buchstäblich in die Bresche springen und den Standort mit neuem Leben erfüllen wollen, spricht für die gestiegene Attraktivität Neumünsters. DOC, Holsten-Galerie und andere Großbauprojekte ziehen jetzt weitere Bauvorhaben und Investitionen nach sich. Das sind ermutigende Signale: Die Innenstadt hat nicht nur Hartz-IV-Trostlosigkeit zu bieten, sondern Potenzial.

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