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Neumünster: Vortrag über Reichsbürger : „Reichsbürger sind eine Gefahr“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Verein für Toleranz und Zivilcourage lud zum Informationsabend / Besucher stellten viele Fragen und fühlen sich besser aufgeklärt

Neumünster | Sie lassen sich zum König von Deutschland krönen, erkennen die Bundesrepublik und das Grundgesetz nicht an, zahlen mit Fantasiewährungen und verweigern ihre Nachnamen: Die Machenschaften von so genannten Reichsbürgern klingen skurril. Dass sie aber gefährlich sind und eine Bedrohung darstellen, ist spätestens klar, seitdem Wolfgang Plan – in Reichsbürger-Sprech „der freie Bürger Wolfgang“ – im Oktober 2016 einen Polizisten in Georgensmünd erschossen hatte.

Über die Verbreitung und Methoden der Reichsbürger klärten am Montagabend die Journalisten Andreas Speit und Carsten Janz in einem Vortrag 60 Besucher in der Buchhandlung Krauskopf auf. Organisator war der „Verein für Toleranz und Zivilcourage“. „Das Thema muss bekannter gemacht werden“, meinte Angelika Beer aus dem Vorstand.

Denn die Bewegung agierte lange von der Öffentlichkeit unbemerkt. „Man beschmunzelte sie, hat das Milieu aber sträflich vernachlässigt“, sagte der Moderator des Abends, Arfst Wagner. Er war als Lehrer an der Waldorfschule in Rendsburg tätig, an der vor drei Jahren ein Verwaltungsmitarbeiter wegen seiner Zugehörigkeit zur Bewegung suspendiert wurde. „Die Ideen gehen tief in die Mitte der Gesellschaft hinein, sie sind kein Phänomen nur am rechten Rand“, erklärte er weiter. So sind nach Erhebungen des Verfassungsschutzes von den bundesweit 15000 Reichsbürgern 800 aus der rechtsextremen Szene.

In Schleswig-Holstein gibt es nach Angaben von Carsten Janz aktuell 374 Reichsbürger, in Neumünster sind es acht. „Offizielle Treffpunkte gibt es nicht“, sagte er weiter. Ob die rechte Kneipe „Titanic“ ein Treffpunkt ist, konnte er nicht bestätigen. Ob Arbeitslose oder Ärzte, Rechtsanwälte, Polizisten oder Musiker – Andreas Speit hat für sein Buch Interviews mit Reichsbürgern geführt: „Oft finden sich gebrochene Biografien.“ Gemeinsam ist ihnen aber die Bewaffnung. „Sie sind eine Gefahr“, warnte Janz.

Während der Fragerunde danach wollte eine Besucherin wissen, ob Reichsbürger Geld vom Staat annehmen. „Damit haben sie kein Problem. Im Gegenteil, es gibt sehr teure Seminare, in denen Reichsbürger erfahren, wie sie sich gegen den Staat wehren können“, antwortete Speit. „So ganz ernst hatte ich Reichsbürger nicht genommen, nun bin ich aber aufgeklärt“, sagte Besucher Joachim Schoenfeld

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