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Gutes Einkaufswetter : Regentage bringen Euros in die Kassen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Einzelhandel ist positiv gestimmt: Der nasse Sommer erhöht die Kundenfrequenzen. Wetterjacken gehen besonders gut.

Neumünster | Draußen schüttet es wie aus Kübeln, aber Liane Jendritzka (68) aus Latendorf und ihre Freundin Slarka Vraj aus Prag kümmert das nicht: Sie bummeln durch die Holsten-Galerie und finden in der Filiale einer Kleidungskette T-Shirts für die Enkel. „Was soll man denn auch bei so einem Wetter sonst machen?“, sagt die Latendorferin schmunzelnd, die sich seit 35 Jahren einmal im Jahr mit ihren Prager Freunden trifft. So wie den zwei Freundinnen geht es vielen: Der Einzelhandel freut sich, wenn das Wetter im Sommer schlecht ist. Das nasse Wetter spült einen warmen Euroregen in die Kassen.

Auch Ilona Schult (66) aus Gadeland ist unterwegs: Sie spendiert ihrer Enkelin Cherina Möller (17) Haarpflege- und Wellness-Produkte. „Das passt“, sind die zwei sich mit einem Blick auf die Regengüsse draußen einig. Verregnete Ferien? Davon lässt sich Katharina Zur (32) aus der Innenstadt die Laune nicht verderben. Mit dem Schirm im Gepäck sucht sie im Spielwarenladen „Kleiner Floh“ am Großflecken nach einem Geschenk für eine Freundin. „Ich habe Ferien“, sagt die Lehrerin und fügt schmunzelnd hinzu: „Bei schlechtem Wetter ist ein Einkaufsbummel doch genau richtig.“

Die Einzelhändler sind erfreut. „Wenn das Wetter schlecht ist, heißt das bei uns Center-Wetter. Wenn das Wetter extrem gut ist, sind die Leute draußen“, sagte Mailin Huljus, Managerin der Holsten-Galerie, und beziffert das Kunden-Plus auf über zehn Prozent. Ganz genau will sie sich aus marktstrategischen Gründen nicht festlegen. Das Klischee stimmt: Es seien mehr Frauen als Männer, die das Wetter zum Shoppen nutzten, sagt sie und stellt fest: „Viele kommen von außerhalb, wir beobachten Kennzeichen aus den Kreisen Segeberg, Steinburg und Rendsburg-Eckernförder, aus Plön oder aus Flensburg.“

„Spürbar mehr Kunden“ zählt auch Helmut Jahn, Verkaufsleiter des Nortex-Modehauses am Grünen Weg. „Bei diesem Sommer, der ins Wasser fällt, gibt es immer Gewinner und Verlierer. Als es 2016 so heiß war, waren vor allem T-Shirts und Bermudas angesagt. Jetzt werden vor allem Wetterjacken, Sweatshirts und leichte Strickjacken gekauft“, sagt Jahn. Bei Regenwetter würden die Kunden auch längere Wege in Kauf nehmen – zum Beispiel aus Flensburg oder Rostock, hat er an den Autokennzeichen festgestellt. Zurzeit sei außerdem inoffizieller Sommerschlussverkauf: „Die Urlauber mögen Schnäppchen. Durch das Wetter ist auch die Verweildauer länger, die Leute sind entspannter. Nach dem Kauf gönnen sie sich noch eine Kleinigkeit, unser Bistro ist voll.“

Im Designer Outlet Center ist die Wetterabhängigkeit der Umsätze nicht ganz so deutlich. „Die Besonderheit in diesem Jahr ist die Unbeständigkeit des Wetters. Jede kurze Schönwetterphase wird genutzt, um die Sonnenstunden draußen zu genießen. Da es jetzt aber wechselhaft ist, wird gekauft“, sagt Laura Reiß von der zuständigen Kommunikationsagentur. Für das DOC gelte eher der Ferienfaktor: „Unabhängig vom Wetter haben wir einen hohen Anteil an Urlaubern, die aus den anderen Bundesländern in die Region kommen. Zusätzlich sind wir für Skandinavien in dieser Zeit attraktiv.“

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erstellt am 31.Jul.2017 | 08:00 Uhr

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