Kita-Streik : Rechtsamt prüft Erstattungen für die Eltern

Rund 30 Erwachsene und 15 Kinder protestierten gestern vor dem Rathaus für eine schnelle Einigung im Tarifkonflikt zwischen den kommunalen Arbeitgebern und den Erziehern.
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Rund 30 Erwachsene und 15 Kinder protestierten gestern vor dem Rathaus für eine schnelle Einigung im Tarifkonflikt zwischen den kommunalen Arbeitgebern und den Erziehern.

Nach Courier-Artikel: Eltern sollen Kita-Gebühren nun doch zurückerhalten. SPD, BfB/Piraten und der OB sind dafür. Der Rat entscheidet.

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09. Mai 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Es waren zwar nur gut 30 Eltern und 15 Kinder zum Protest gegen den Kita-Streik gekommen, die eine schnelle Einigung zwischen den Tarifpartnern forderten. Mit ihren Trillerpfeifen machten sie gestern Vormittag vor dem Rathaus aber Lärm, der über den gesamten Großflecken zu hören war. Mit Erfolg: Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras gab ein Versprechen ab, auf das alle gewartet hatten. „Das Rechtsamt prüft eine Änderung der Gebührensatzung, damit Sie bei Streiks die gezahlten Beiträge zurückerhalten. Die Stadt möchte ja nicht auch noch daran verdienen“, sagte der Verwaltungschef zu den Demonstranten. SPD und BfB/Piraten wollen schon bei der Ratsversammlung in anderthalb Wochen eine entsprechende Änderung verabschieden, kündigte der SPD-Fraktionsvorsitzende Uwe Döring am Mittag an. Beide Fraktionen wollen im Rat die Forderungen der Gewerkschaften nach besserer Eingruppierung der Erzieher unterstützen.

Der Courier hatte gestern berichtet, dass in Kiel ab dem fünften Streiktag in Folge die Beiträge gekürzt werden können. Die Gewerkschaft Verdi hat derzeit zu einem unbefristeten Ausstand aufgerufen, an dem ab Montag acht der neun städtischen Einrichtungen teilnehmen (siehe Infokasten). „Was in Kiel möglich ist, muss auch in Neumünster möglich sein. Die Eltern haben zusätzlichen Aufwand für die Kinderbetreuung“, erklärte Uwe Döring. Und auch Tauras machte deutlich: „Ich kann den Ärger verstehen. Sie müssen nun auch noch zusätzlich Geld für die Betreuung der Kinder ausgeben.“ Doch für ihn, der momentan Vorsitzender des kommunalen Arbeitgeberverbandes Schleswig-Holstein ist und damit die bundesweiten Verhandlungen für den Norden leitet, ist die Gewerkschaft am Zug: „Die Gehälter von Erziehern sind seit 2009 um 30 Prozent gestiegen. Wir sind aktuell dennoch bereit, bis zu 400 Euro im Monat draufzulegen. Warum das Verdi nicht ausreicht, weiß ich nicht. Da müssten Sie dort nachfragen.“

Die meisten Eltern hatten gestern dennoch Verständnis für den Streik der Erzieher. „Es geht ja nicht nur um mehr Geld, sondern auch um bessere Arbeitsbedingungen“, sagte die Vorsitzende der Kreis-Elternvertretung für die Kitas in Neumünster, Marion Khabiri, die den kurzfristigen Protest organisiert hatte. „Die Eltern sind jetzt die Leidtragenden, dass sich die Parteien nicht einigen können“, betonte sie.

Das sieht auch Christine Becker, Elternsprecherin der Kita Schubertstraße, so: „Es kann nicht jeder mal eben frei nehmen, um aufs Kind aufzupassen. Und viele haben keine Großeltern oder Freunde vor Ort. Ich kenne einige, die nun um den Arbeitsplatz bangen.“ Finja Klenz aus Groß Kummerfeld stand gestern als streikende Erzieherin der Kita Schubertstraße mit ihrem zweijährigen Sohn und Mann Oliver vor dem Rathaus. Auch für sie geht es nicht nur um das Geld: „Als ich vor acht Jahren anfing, gab es bei uns vier Kinder, die zum Mittagessen blieben, mittlerweile sind es 20. An den Rahmenbedingungen und Räumen hat sich aber nichts geändert. So geht es halt nicht weiter“, sagte sie.

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