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Rocker und Neonazis : Rechtes Konzert im Rocker-Club

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die „Bandidos“ in Wahlstedt ließen Rechtsrock-Bands in ihrem Clubhaus in Wahlstedt auftreten / Wie weit geht der Schulterschluss?

Wahlstedt | Wie eng ist die Kooperation von Neonazis und der Rockergruppe „Bandidos“ im Norden? Eine große Veranstaltung am vergangenen Wochenende in einem Industriegebiet in Wahlstedt (Kreis Segeberg) deutet auf einen durchaus engeren Schulterschluss hin. Am Sonnabend spielten im Clubheim der Rocker-Ortsgruppe „Bandidos MC Northgate“ an der Kronsheider Straße (ehemalige Diskothek Déjà-Vu) zwei Rechtsrock-Gruppen.

Die zuständige Polizei in Bad Segeberg bestätigte auf Nachfrage, dass ein entsprechendes Konzert auf dem Geländer der Rockergruppe mit rund 80 Gästen aus ganz Deutschland stattgefunden habe. „Es waren sowohl polizeibekannte Vertreter aus der rechten Szene als auch Rocker dabei“, hieß es. Die Veranstaltung war nach Auskunft der Ermittler recht konspirativ im Internet beworben worden. Der Ort des Geschehens wurde dort nicht preisgegeben. Die Konzertbesucher wurden bei der Anfahrt von Helfern der Veranstalter einige Kilometer vor Wahlstedt an speziellen Schleusungspunkten in Empfang genommen. Dort wurden offenbar die Tickets kontrolliert, und erst danach wurde der Veranstaltungsort mitgeteilt.

„Die Polizei hatte Hinweise auf das Konzert, ging aber anfangs davon aus, dass es im Raum Lübeck stattfinden soll“, so die Polizei Segeberg. Ab 18 Uhr waren die Beamten aber mit 50 Kräften in Wahlstedt vor Ort.

25 Konzertbesucher wurden kontrolliert. Dabei wurden ein Baseballschläger und ein Einhandmesser sichergestellt. Das Konzert verlief laut Polizei ruhig. Gegen 23.15 Uhr rückte die Beamten wieder ab.

Beobachter aus der linken Antifa-Szene weisen in diversen Veröffentlichungen – unter anderem im Internet – darauf hin, dass das Konzert in Wahlstedt von dem seit dem Jahr 2000 in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerk „Blood  &Honour“ (englisch für „Blut und Ehre“) organisiert worden sein könnte. Dieses weltweit agierende Netz hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, rechtsextreme Bands miteinander zu koordinieren und dadurch die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten. Zu „Blood  &Honour“ gehört ein sogenannter bewaffneter Arm namens „Combat 18“, der vor allem in Großbritannien und Skandinavien aktiv ist, aber auch in Deutschland Anhänger hat. In ihren Internetmitteilungen warnt die Antifa vor „Verbindungen der Neonazi-Szene zur organisierten Kriminalität, insbesondere zum Rocker-Milieu“.

Das Landeskriminalamt in Kiel erklärte auf Anfrage: „Die Polizei konnte in der Vergangenheit beobachten, dass einzelne Personen mit rechtem Hintergrund in Rocker-Gruppierungen eingetreten sind. Es gibt jedoch keine Wahrnehmungen, die auf die Bildung eines entsprechenden rechten Netzwerkes hindeuten“, sagte LKA-Sprecherin Carola Jeschke.

In den beiden „Bandidos“- Ortsgruppen im Land sind diverse Mitglieder der 2010 verbotenen „Bandidos Neumünster“ untergekommen. Mehrere von ihnen stammen aus der rechtsradikalen Szene aus Neumünster rund um den einstigen „Club 88“. Neben der Gruppierung „Bandidos Northgate“ in Wahlstedt gibt es die „Bandidos Padborg“ mit Sitz in Kiel.

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erstellt am 20.Mai.2017 | 09:00 Uhr

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