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Gericht : Raubopfer von Einfeld sagten als Zeugen aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Rentnerpaar schilderte die brutale Tat vor einem Jahr.

Neumünster | Es war ein schwerer Gang für das Rentner-Ehepaar aus Einfeld. Elf Monate, nachdem die beiden Senioren in ihrem Haus am Seewisch brutal von drei Männern überfallen und ausgeraubt worden waren, sagten sie gestern als Zeugen im Kieler Landgericht aus. Dort müssen sich seit Ende April drei Neumünsteraner (25, 29 und 45) wegen räuberischer Erpressung, schweren Bandendiebstahls und Einbruchs verantworten (der Courier berichtete). Die Anklage geht davon aus, dass sie auch für den Raub in Einfeld verantwortlich sind. Das Trio hingegen bestreitet diese Tat.

„Unser ganzes Zuhause ist in dieser Nacht sozusagen kaputt gegangen. Das Wohlbefinden ist seitdem weg. Auf die Terrasse trauen wir uns überhaupt nicht mehr“, erzählte die Einfelderin (74). Dann schilderte sie den brutalen Überfall vom 21. Juni 2016, unter dem beide heute noch leiden. „Es war gegen 23.30 Uhr. Wir wollten gerade ins Bett gehen. Da sah ich, dass auf der Terrasse ein Gartenstuhl lag. Ich bin rausgegangen, um ihn aufzustellen. Plötzlich sprangen mir drei Männer in den Rücken. Das waren vermummte Gestalten, ganz in Schwarz mit Sturmhauben. Ich fiel und fing an zu schreien“, berichtete die Zeugin. „Nicht schreien“, wies einer der Täter sie zurecht. Es folgten Schläge mit der flachen Hand, jemand zog an ihren Haaren, gesprochen wurde bis auf wenige Anweisungen nicht. Stets agierten die Männer in ihrem Rücken, so die Frau.

In der Küche wurden der Rentnerin die Hände mit Kabelbindern gefesselt. Dann führten die Räuber sie zu den beiden Tresoren im Haus. „Die wussten, wo die waren. Haben uns wohl ausspioniert“, sagte die Seniorin. Im Schlafzimmer zogen die Räuber Bettbezüge ab, um darin vermutlich Beute zu transportieren. Sie erbeuteten rund 90  000 Euro Bargeld, meist Bündel aus 50-Euro-Scheinen, Münzen sowie Gold- und Silberschmuck und Uhren.

Ihre Opfer, beide gesundheitlich angegriffen, sperrten sie an Händen und Füßen gefesselt in ein kleines Gäste-Bad und verschlossen Fenster und Tür. Der lungenkranken Frau verwehrten sie ihr wichtiges Spray. Den Mann (76), der nach einem Schlaganfall nicht auf dem Bauch liegen konnte, ließen sie auf dem Boden zurück.

Stundenlang versuchte das Ehepaar in Todesangst, sich zu befreien. „Die Luft wurde immer schlechter. Uns hörte niemand. Doch dann merkte ich, dass ich ein Feuerzeug in der Hosentasche hatte“, erzählte die Rentnerin. Mit viel Mühe gelang es ihr, den Kabelbinder durchzuschmoren. Mit einem Tonherz, das zur Dekoration in dem Bad lag, und mit einem Metallteil der Dusche hämmerte sie danach verzweifelt ans Fenster. Erst nach drei Stunden wurden Nachbarn auf sie aufmerksam.

Ihr Ehemann, der mit einem Rollator im Zeugenstand erschien, ist durch den brutalen Überfall gesundheitlich stark beeinträchtigt, wie ein Attest zeigte, das sein Anwalt verlas. Er musste über Wochen stationär behandelt werden.

Neben diesem Raub werden den Angeklagten ein Einbruch in eine Werkstatt bei Itzehoe sowie einer in ein Haus in Gadeland zur Last gelegt. Als das Trio im November in die Villa eines Seniorenpaares in Wittorf einsteigen wollten, schlugen die Ermittler nach umfangreicher Observation zu.

Der Prozess wird fortgesetzt. 

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