Konsulatslehrer : Ratsfraktionen gegen Türkei-Einfluss

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CDU, SPD, Grüne und FDP fordern eine strenge Überprüfung der Konsulatsverträge von Türkisch-Lehrern / Zwei Lehrer sind an Schulen aktiv

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01. März 2017, 07:30 Uhr

Neumünster | Der Türkisch-Unterricht von zwei Lehrern des türkischen Staates an mindestens drei Schulen in Neumünster ruft nun die Lokalpolitik auf den Plan. CDU, SPD und Grüne fordern vom Land eine strenge Überprüfung der Konsulatsverträge.

In Schleswig-Holstein gibt es 25 Lehrer, die der türkische Staat entsendet und die türkischen Kindern in den Schulen Unterricht geben. Sie werden vom Kieler Bildungsministerium nicht kontrolliert (der Courier berichtete). Das gefällt der Neumünster-FDP überhaupt nicht. „Ich stehe dem Unterricht sehr ablehnend gegenüber. Eine politische Indoktrinierung von Kindern in unserer Stadt ist nicht zu akzeptieren“, betont der FDP-Kreisvorsitzende Reinhard Ruge. Ähnlich äußert sich der CDU-Kreisvorsitzende Wolf Rüdiger Fehrs: „Wir sind strikt gegen die Vermittlung nationalistischer Inhalte. Staatlich organisierter Sprachunterricht ist nicht dazu da, religiöse Inhalte zu vermitteln.“ Eine Freistellung von der Schulpflicht für einen „nationalistischen Schulunterricht“ und eine entsprechende Unterstützung in einer gebundenen Ganztagsschule lehne seine Fraktion ab. „In Deutschland sind die Menschenrechte, das sich hieraus ergebende Toleranzgebot, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie die Prinzipien, die im Unterricht zu vermitteln sind“, so Fehrs.

Unterstützung für diese Ansicht bekommt er vom schulpolitischen Sprecher der SPD, Bernd Delfs: „Meine Fraktion steht dem Konsulatsunterricht sehr kritisch gegenüber und zeigt Verständnis für die in der Öffentlichkeit geäußerten Befürchtungen. Unabhängig von möglichen EU-Rechtsproblemen würde die Fraktion eine Überprüfung der Konsulatsverträge begrüßen,“ sagt er. Die SPD habe sich immer gegen eine einseitige politische Beeinflussung in der Schule eingesetzt. „Bespitzelungen darf es im Unterricht schon gar nicht geben“, so Delfs.

„Keiner weiß genau, was hinter den verschlossenen Türen passiert“, kritisiert der Kreisvorsitzende der Grünen, Hans Heinrich Voigt. Seine Fraktion sei klar dagegen, dass Staatspräsident Erdogan einen Einfluss auf hier lebende Bürger habe. „Zudem ist uns die Trennung von Staat und Religion sehr wichtig. Das wird in der Türkei gerade abgeschafft“, sagt Voigt.

Nach Auskunft von Schulrat Jan Stargardt sind die beiden Türkisch-Lehrer derzeit an der Holstenschule, der Vicelinschule und der Pestalozzischule aktiv. Tufan Kiroglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Neumünster und Experte für den Türkisch-Unterricht, nennt zudem noch die Johann-Hinrich-Fehrs-Schule. Er ist ebenfalls dagegen, dass die Lehrer aus der Türkei kommen: „Mir wäre es lieber, wenn sie hier in Deutschland ausgebildet werden.“ Damit würde auch verhindert, dass die Lehrer demokratiefeindliche Ansichten haben. „Das hat es in den vergangenen 40 Jahren, seit der Unterricht stattfindet, schon gegeben“, sagt er. Aktuell sind ihm allerdings keine Probleme bekannt. Der Unterricht für rund 100 Kinder laufe ohne Zwischenfälle. „Nicht alle türkischen Eltern schicken ihre Kinder dahin“, sagt Kiroglu.

Schulrat Jan Stargardt bestätigt, dass der Unterricht der Konsulatslehrer nicht staatlich überprüft wird: „Diese außerunterrichtlichen Angebote finden grundsätzlich nicht während der Unterrichtszeit statt.“ Zudem werde der Unterricht als Angebot des türkischen Generalkonsulats in Hamburg in Neumünster ausschließlich in Türkisch erteilt, sagt er.




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