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Neue Tendenz : Rassismus unter Flüchtlingen nimmt zu

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine Infoveranstaltung im Vicelinviertel gab Neuankömmlingen wertvolle Tipps, aber auch Ratschläge, wie man sich in Deutschland zu verhalten hat.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Nicht erst seit der Störung einer Kurden-Demonstration durch Türken vor gut drei Wochen (der Courier berichtete) nimmt der Rassismus unter Flüchtlingen und Migranten in Neumünster offenbar zu. „Wir dürfen diese Tendenzen nicht verkennen. Sie sind da, und wir müssen damit umgehen“, erklärte Polizei-Oberkommissar Marco Rose gestern bei einer Informationsveranstaltung für muslimische Neuzuwanderer im Bildungszentrum Vicelinviertel. Eingeladen hatten unter anderem das Forum der Vielfalt, die Türkische Gemeinde, die Caritas, die Moscheen und die städtische Koordinierungsstelle für die integrationsorientierte Aufnahme von Flüchtlingen.

Die Resonanz war eher zurückhaltend. Nur knapp 30 Besucher waren gekommen. Sie ließen sich von Dolmetscherin Nadine Hassoun auf Arabisch übersetzen, was Elisabeth Dannenmann, Leiterin der Kita-Zwergenland im Vicelinviertel, Henning Möbius, Vorsitzender des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie, Vertreter der Fatih-, der Ditib- und der Merkezefendi-Moscheen, Natali Schnar von der Türkischen Gemeinde sowie der fürs Vicelinviertel zuständige Polizist Steffen Drescher zu sagen hatten. Dabei ging es neben vielen wertvollen Tipps vor allem um die Rechte der Frauen in der deutschen Gesellschaft. „Wir haben über 100 Jahre dafür gekämpft. Frauen dürfen hier bei uns selbst entscheiden, was sie machen oder nicht. Das bestimmt nicht der Ehemann, der Imam oder der Oberbürgermeister. Sie dürfen arbeiten oder einen Führerschein machen“, stellte Möbius eindringlich klar. Drescher betonte, auch den Anweisungen von Polizistinnen sei uneingeschränkt Folge zu leisten. Nicht immer hätten in der Vergangenheit ausländische Mitbürger den nötigen Respekt vor den weiblichen Kollegen gezeigt. Dass es bei Migranten häufiger zu häuslicher Gewalt kommt, mochte Drescher nicht bestätigen.

Elisabeth Dannenmann warb darum, dass auch die Männer von Flüchtlingen und Migranten sich um die Erziehung der Kinder kümmern. „Es kommen zu Elternabenden oder Gesprächen leider immer nur die Frauen“, bedauerte sie. Kita-Plätze für Flüchtlingskinder seien noch ausreichend vorhanden, sagte sie.

Eine Mutter berichtete auf Arabisch, dass ihrer Tochter in der Schule immer wieder das Kopftuch entrissen werde. Hier gab es den Rat, den Lehrer zu informieren. Offen blieb die Antwort auf die Frage eines Teilnehmers, wo er sich genau über die deutschen Gesetze in seiner Sprache informieren kann.

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