Rapper präsentiert seine erste Platte

Mit Leib und Seele macht Julian Liebke als Künstler namens Dissozial  nachdenklichen Hip-Hop mit ausdrucksstarken Texten. Foto: Pechbrenner
Mit Leib und Seele macht Julian Liebke als Künstler namens Dissozial nachdenklichen Hip-Hop mit ausdrucksstarken Texten. Foto: Pechbrenner

Julian Liebke alias Dissozial hat sich selbst in der Musik gefunden / Hip-Hop, der keinem Klischee entspricht

shz.de von
06. September 2012, 03:59 Uhr

neumünster/Boostedt | Ehrlich, unverblümt und bodenständig kommen beide daher: Julian Liebke, der Rapper mit dem Künstlernamen Dissozial sowie seine Texte. Vor Kurzem erschien seine erste Platte - eine EP (Extended Play) mit sechs Stücken, die den Namen "Tintenherz" trägt. Mit viel Leidenschaft, Arbeitsaufwand, und einem großen Team hat der 20-Jährige, der seit seinem 17. Lebensjahr rappt, an seinem Erstwerk gefeilt.

"Mein erstes eigenes Ding sollte richtig gut werden", so der ehemalige Neumünsteraner. Die meisten Lieder nahm er in seinem Zimmer in der Boostedter Wohnung auf, die er sich mit seiner Mutter teilt. Lediglich der Titelsong wurde in Koproduktion mit dem Gadelander Musiker Stylerwack (der Courier berichtete) bei diesem aufgenommmen. Auf dem Album sind außerdem Mark W. (bekannt aus dem Neumünster-Song) sowie Nordn MC zu hören.

Die Musik ist das wichtigste Hobby, das Liebke neben einer Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann betreibt. Im Grunde ist es sogar mehr als das - nämlich Leidenschaft. "Man könnte sagen, ich schreib mein Leben aufs Papier", sagt der junge Mann. Das Schreiben ist für ihn ein Ventil, über das er alles loswerden kann, was ihm auf dem Herzen liegt. "So wie andere Tagebuch schreiben, schreibe ich Songs", erklärt er.

Daraus entstanden sind melodische Stücke mit viel Gefühl. Hinter seinen nachdenklichen Texten stecken Botschaften, die der Hörer mitunter erst entdecken muss. So wartet die EP, nach einem Intro, im Song "Spiel, Satz und Sieg" zunächst mit "typischen Battle-Rap-Gehabe" auf, wie der Rapper selbst es nennt. "Doch das ist pure Übertreibung und nicht ernst gemeint", sagt er. Im Song "Was ist mit der Szene passiert?" greift Liebke exakt diese Thematik auf und kritisiert die Art von ernst gemeintem Battle-Rap - von Rappern, die sich selbst für richtig hart halten. "Das ist reine Einbildung. Im Hip-Hop-Jargon würden wir sagen Die sind nicht mehr real", meint er.

Der Titelsong "Tintenherz" bildet im wahrsten Sinne des Wortes das Herzstück des Albums. Benannt nach dem Roman von Cornelia Funke, jedoch inhaltlich davon losgelöst, behandelt er die Liebe zur Musik und zum Schreiben. Es ist ein gefühlvoller Rap über eine schlimme Phase in seinem Leben, sagt Liebke, weshalb er sich im Song auch bei seinen Eltern entschuldigt: "Das Herz ist ein Muskel und der war hart verstaubt. Verzeiht mir Mum und Dad, wenn ich manchmal etwas kalt war. Das Leben ist hart und verdammt einsam, wenn du scheiterst. Dir folgt keiner auf dieser Leiter, wenn nur eine Sprosse fehlt", rappt er an dieser Stelle.

Mit seinem Künstlernamen Dissozial möchte der Musiker sich von der heutigen Gesellschaft abgrenzen, von der er findet, sie sei zu kapitalistisch und auf falschen Werten aufgebaut. Die Menschen erwarten immer dem Alter angemessenes Verhalten, kritisiert er. "Ich verhalte mich immer so wie ich mich gerade fühle, mein Alter ist irrelevant dabei", sagt Liebke und meint es ganz positiv. Es geht ihm um Selbstfindung und die Ausbildung eines eigenen Charakters und dazu gehört auch mal, entgegen aller Erwartungen zu handeln.

Die Platte kann kostenfrei unter www.download.stylerwack.de/Dissozial_-_Tintenherz_EP.rar im Internet heruntergeladen werden.

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