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Gerichtsurteil : Räuber von Einfeld müssen lange ins Gefängnis

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ehepaar wurde brutal überfallen: Zwei Täter wurden zu zehn und neun Jahren Haft verurteilt / Dritter Verdächtiger erhielt Freispruch / Opfer leiden heute noch

Neumünster | Der erste Teil der Urteilsverkündung ging in lautem Schluchzen unter. Kaum hatte der Vorsitzende Richter im Kieler Landgericht gestern im Prozess um den brutalen Raub von Einfeld das Urteil verkündet, brachen die Frauen und Freundinnen der Angeklagten in Tränen aus. Die Strafen fielen zum Teil hart aus: So soll Silvio F. (45) wegen erpresserischen Menschenraubs in Tateinheit mit schwerem Raub, gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Diebstahls in zwei Fällen sowie versuchter schwerer räuberischer Erpressung für zehn Jahre in Haft. Michael B. (29) wurde zu neun Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Beide macht das Gericht für den Raub am Seewisch am 21. Juni 2016 verantwortlich (der Courier berichtete).

Damals war ein Rentnerpaar (73 und 75) von drei vermummten Tätern brutal überfallen, misshandelt, ausgeraubt und gefesselt im Gästebad eingesperrt worden. Dem dritten Angeklagte, Mike M. (25), konnte eine Beteiligung nicht nachgewiesen werden. Allerdings soll er mit den beiden anderen im September in eine Werkstatt bei Itzehoe sowie in ein Haus am Krummredder eingebrochen sein.

Die letzte Aktion des Trios, bei der es Anfang November vor der Villa eines Seniorenpaares in Wittorf von Spezialeinsatzkräften festgenommen worden war, wertete die Kammer als versuchte schwere räuberische Erpressung. Mike M. muss wegen Diebstahls in zwei Fällen, versuchter schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Widerstand für vier Jahre hinter Gitter. Er hatte sich laut Richter massiv gegen seine Festnahme gewehrt.

Bei der Beurteilung des Einfeld-Raubes musste die Kammer ausschließlich auf Indizien zurückgreifen: Silvio S. soll auf dem Grundstück der Opfer den Kassenbon eines Baumarktes verloren haben, der die Polizei über Kameraaufzeichnungen des Geschäfts zu ihm führte. Der arbeitslose Michael B. soll kurz nach der Tat einen teuren Audi mit Bargeld in auffälliger Stückelung gekauft haben. Nach einer Gesetzesänderung wird der Wagen jetzt als Vermögenswert eingezogen. Gleiches gilt für weitere Werte, die Silvio F. und Michael B. möglicherweise besitzen.

Die Verteidigung hielt die Indizien aus Einfeld einhellig für nicht stichhaltig. Die letzte Tat in Wittorf werteten die Anwälte nur als Einbruchversuch. Die Sache sei gerade abgebrochen worden, als die Beamten zuschlugen, hieß es. Sie forderte in beiden Fällen Freisprüche und wegen der Diebstähle Bewährungsstrafen. Die drei Angeklagten wiesen in ihrem letzten Wort erneut den Raub in Einfeld weit von sich und zeigten sich von acht Monaten Untersuchungshaft stark beeindruckt.

Der Anwalt des überfallenen Rentnerpaares hatte zuvor in einem emotionalen Plädoyer die schweren Folgen des Überfalls beschrieben. Die Eheleute hatte sich gestern als Nebenkläger trotz erheblicher gesundheitlicher Probleme ins Gericht begeben. „Die langen Strafen sind angemessen. Bei dem Freispruch für den dritten Mann habe ich kein gutes Gefühl. Ich denke, er war auch dabei“, erklärte die Rentnerin. In seinem Haus findet das Paar kaum noch Ruhe. „Wir leben jetzt wie in Fort Knox“, erklärte die Frau. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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