Gartenstadt : „Radikal-Rodung“ erbost Gartenstädter

Freier Blick: Bis vor wenigen Tagen waren die Häuser an der Robert-Koch-Straße (rechts) noch durch einen bis zu 30 Meter breiten Grünstreifen vom ehemaligen Stockguss-Gelände an der Rendsburger Straße abgeschirmt. Jetzt ist das Grün verschwunden, die Anlieger sind sauer.
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Freier Blick: Bis vor wenigen Tagen waren die Häuser an der Robert-Koch-Straße (rechts) noch durch einen bis zu 30 Meter breiten Grünstreifen vom ehemaligen Stockguss-Gelände an der Rendsburger Straße abgeschirmt. Jetzt ist das Grün verschwunden, die Anlieger sind sauer.

Der Stadtteilbeirat verlangt Auskunft über die Abholzung an der Rendsburger Straße.

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28. November 2014, 12:00 Uhr

Neumünster | Die Räumarbeiten auf dem ehemaligen Stockguss-Gelände an der Rendsburger Straße sorgen in der Gartenstadt für Aufregung. Auf der Stadtteilbeiratssitzung im vollbesetzten Gemeinschaftshaus an der Domagkstraße beklagten sich Anlieger aus der Robert-Koch-Straße jetzt lautstark über die Abholzung eines gut 30 Meter breiten Grünstreifens, der ihre Wohnhäuser bislang von dem südlichen Gewerbebereich abgrenzte. „Der Lärm- und Sichtschutz ist komplett verloren, ich kann jetzt bis zum Bahnhof gucken“, klagte ein Anlieger. Der Wohnwert der Häuser sei deutlich gesunken.

Der Beirat zeigte Verständnis für die Klagen und will jetzt bei der Stadt Auskunft einfordern, warum und auf wessen Veranlassung die fast 300 Meter lange Zone gerodet wurde, obwohl sie im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen ist. Vor allem Kurt Feldmann-Jäger (SPD) zeigte sich entsetzt über die „Radikal-Rodung“. Er verwies auf den einst ansehnlichen Baumbestand, der jetzt den Baggern zum Opfer gefallen sei, und alte Pläne der Stadt, den fast 300 Meter langen Streifen in das ökologische Verbundsystem der Stadt zu integrieren. „Wir wollen wissen, wie es zu der Entscheidung kam, die Grünzone aufzugeben,“ unterstrich Feldmann-Jäger.

Unterschiedliche Meinungen gab es im Ausschuss dagegen zu seinem Vorschlag, bereits jetzt den nördlichen Teil der Stockguss-Brache als Wohngebiet ausweisen zu lassen. Peter Scheiwe (CDU) warnte vor einer vorschnellen Festlegung. Zunächst gelte es, mehr Informationen einzuholen, welche Vorstellungen bei der Stadt, dem Eigner und nicht zuletzt den Bürgern über eine künftige Nutzung vorherrsche. So sah es auch der Beirat: Das Thema wurde zurückgestellt.

Einvernehmen herrschte im Beirat dagegen beim Dauerthema Busverkehr: Seit dem Rückzug des letzten Lebensmittelgeschäfts im Stadtteil drängen vor allem ältere, nicht mobile Anlieger auf eine regelmäßige Busanbindung zum (nächstgelegenen) Versorgungszentrum am Stoverweg ( A & B-Center). Eine erste Anfrage für eine neue Buslinie war von den Stadtwerken mit Verweis auf die hohen Kosten abgebügelt worden (wir berichteten). Der Beirat stellte jetzt Alternativen vor: Danach könnte etwa die bestehende Linie 5 nach Einfeld verändert und durch die Gartenstadt geführt werden. Der Beirat schlägt eine Strecke über Sauerbruchstraße, Nachtredder, Rintelenstraße, Röntgenstraße, Eulerstraße und Stoverseegen oder Sauerbruchstraße, Nachtredder, Rintelenstraße, Domagkstraße, Rendsburger Straße, Otto-Hahn-Straße und Justus-von-Liebig-Straße vor.

Auf Empfehlung der beiden Ratsmitglieder Helga Bühse (CDU) und Axel Westphal (SPD) will der Beirat seine Vorstellungen jetzt an die Stadtverwaltung weiterreichen, damit sie bei der anstehenden Überarbeitung des regionalen Nahverkehrsplans im kommenden Frühjahr mit berücksichtigt werden können.

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