Verkehrssicherheit : Radfahrstreifen sind kein Königsweg

Hier wird es oft eng: Parker am Fahrbahnrand verengen die Fahrbahnen an der viel befahrenen Roonstraße. Der ADFC plädiert für Fahrradstreifen am Fahrbahnrand. Die sind jedoch auch in der Radfahrer-Lobby nicht unumstritten.
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Hier wird es oft eng: Parker am Fahrbahnrand verengen die Fahrbahnen an der viel befahrenen Roonstraße. Der ADFC plädiert für Fahrradstreifen am Fahrbahnrand. Die sind jedoch auch in der Radfahrer-Lobby nicht unumstritten.

„Brennpunkt-Tour“ des ADFC zeigt gefährliche Engstellen in der Viktoria- und Roonstraße auf

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21. April 2018, 09:30 Uhr

Neumünster | Neumünsters Radfahrer brauchen nicht lange zu radeln, um im Straßennetz der Stadt gefährliche Knackpunkte aufzuspüren. Gerade mal über 2,5 Kilometer ging die jüngste „Brennpunkt-Tour“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Neumünster. Die reichten, um den Gastradlern aus Politik und Verwaltung gleich eine ganze Reihe (bislang) ungelöster Verkehrsprobleme mit auf den Weg zu geben.

Der Konrad-Adenauer-Platz vor dem Bahnhof war nicht nur Startpunkt der knapp 30 Mitradler, sondern auch schon der erste Brennpunkt: ADFC-Vorsitzender Kurt Feldmann-Jäger lobte zwar die vielen neuen Fahrradbügel auf dem umgebauten Bahnhofsvorplatz, bedauerte allerdings, dass allzu viele der Fahrradparkplätze schon wieder durch „Fahrradleichen“ belegt seien. Sein Wink an die Verwaltung: „Das wäre doch eine Aufgabe für den Kommunalen Ordnungsdienst!“

Dann ging es endlich aufs Rad, um gleich hinter der Unterführung Rendsburger Straße den ersten Stopp einzulegen: Brennpunkt Nr. 2 ist die Kreuzung Friedrichstraße / Rendsburger Straße. Viele Radler wollen aus der Friedrichstraße kommend nach links Richtung Carlstraße weiterfahren, wissen aber offenbar nicht, wie sie sich verhalten sollen: Mit dem Grün für Autofahrer starten und dabei riskieren, mit dem Gegenverkehr zu kollidieren? Oder das Grün für Fußgänger über die Friedrichstraße abwarten und dann mit Fußgängern und Radlern Richtung Carlstraße „mitschwimmen“? Der ADFC wünscht sich klarere Regeln.

Richtig knifflig und gefährlich wird es aus Sicht der Radfahrer-Lobby an Brennpunkt Nr. 3: Viktoriastraße / Rendsburger Straße. Radfahrer fahren in diesem Abschnitt der Viktoriastraße beidseitig auf der Fahrbahn. Spielende Kinder überqueren häufig plötzlich und unerwartet die Straße, hat der ADFC beobachtet. Außerdem gebe es hier an den Ampeln erschreckend viele „Rotfahrer“. Die Empfehlung der Radlerlobby: Tempo 30 und gegebenenfalls ein Überholverbot.

Brennpunkt Nr. 4 können die Brennpunkt-Radler an der Roonstraße zwischen Carl- und Färberstraße „am eigenen Leib“ erfahren. Trotz durchgezogener Mittelstreifen stehen Parker am Straßenrand. Da die Radler stadtauswärts hier auf der Fahrbahn fahren, kommen sich Radfahrer und Autos auf der eingeengten Fahrbahn immer wieder gefährlich nahe. Der ADFC schlägt Fahrradstreifen am Fahrbahnrand vor, um Radler besser zu schützen. Die sind auch in der Lobby der Radfahrer allerdings nicht unumstritten: Radfahrstreifen sind zu schmal, werden oft zugeparkt und wiegen Radler in trügerischer Sicherheit, meinen Kritiker. „Fahrradstreifen sind kein Königsweg“, sagt eine Mitradlerin der Brennpunkt-Tour.

Bei der abschließenden Manöverkritik im „Johann & Amalia“ kommt dann auch noch ein „Brennpunkt“ aus Einfeld auf den Tisch: Um die Probleme mit akzeptablen, sicheren Radwegen am Roschdohler Weg und der Kieler Straße zu entschärfen, mehren sich offenbar die Stimmen, die den Ausbau der Straße Enenfelde zu einer Fahrradstraße vorschlagen. Die Verbindung zwischen Krückenkrug und Dorfstraße steht ohnehin zur Sanierung an. ADFC-Chef Kurt Feldmann-Jäger findet die Idee „überlegenswert“.

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