Bordesholm : Quartett forderte die Zuhörer heraus

Von eingängig bis sperrig: Das Schumann-Quartett forderte die Zuhörer in der Klosterkirche:  Erik Schumann(Violine, von links), Ken Schumann (Violine), Liisa Randalu (Viola) und  Mark Schumann (Violoncello).
Von eingängig bis sperrig: Das Schumann-Quartett forderte die Zuhörer in der Klosterkirche: Erik Schumann(Violine, von links), Ken Schumann (Violine), Liisa Randalu (Viola) und Mark Schumann (Violoncello).

Schleswig-Holstein Musik-Festival: 400 Besucher erlebten beim Konzert des Schumann-Quartetts in der Klosterkirche viel Abwechslung

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31. Juli 2014, 05:30 Uhr

Bordesholm | Junge und engagierte Musiker, ein populäres Programm und jede Menge künstlerischer Anspruch: Auch das zweite Konzert beim Schleswig-Holstein Musik-Festival (SHMF) in der Klosterkirche forderte am Dienstagabend die Zuhörer heraus und bot neben eingängigen Melodien auch die Bereitschaft, sich auf komplexe Kompositionsstrukturen einzulassen. Zu Gast war das Schumann-Quartett.

Seit sieben Jahren bereisen die Musiker bereits die Bühnen der Welt, die drei „Schumänner“ Erik, Ken und Mark, unterstützt von der künstlerisch wie optisch reizvollen Bratschistin Liisa Randalu. In Felix Mendelssohns „Streichquartett Es-Dur op.12“ begaben sich die Vier nur scheinbar auf einen romantischen Pfad, es wurde die Notation genutzt für eigene Interpretationen, die die gemeinen Hörgewohnheiten unterwanderten. Zu unentschlossen war dabei die sich entfaltende Wirkung, so dass echte Behaglichkeit hier nicht aufkommen konnte oder sollte. Franz Schuberts „Quartettsatz c-Moll D 703“ kam da schon gefälliger daher. Eingängige Melodien ohne stimmungsschwankende Brüche ließen so manchen der 400 Besucher in der gut gefüllten Kirche in romantische Träume verfallen, die am Ende der unvollendeten Schubertschen Quartett-Übung jäh gebremst wurden.

Den schon zur Pause reichhaltigen Applaus nutzten die Musiker als Ansporn, die Hörer im zweiten Teil dann wieder zu fordern. Mit den „Fünf Sätzen für Streichquaretett op. 5“ von Anton Weber loteten das Bruder-Trio und ihre Partnerin die atonale Vorgabe des Komponisten mit seinen spartanischen Strukturen und plötzlichen melodischen Sprüngen bis ins Letze aus. Bei diesen extremen Wechseln in den Tempi, von sehr langsam bis schnell, musste man sich aufeinander verlassen können – und das Quartett bewies hier eindrucksvoll sein großes gemeinsames Spielverständnis. Erik und Ken Schumann spielten sich an der Violine die Bälle zu, während Bruder Mark am Violoncello das Geschehen eigenständig unterstützte und Bratschistin Liisa Randalu als ruhender Pol in der manchmal komplizierten Brandung Webernscher Klangstrukturen schwebte.

Und dann kam er endlich, der große berühmte Namensvetter der Drei, Robert Schumann und sein melodisches „Streichquartett a-moll op.41 Nr.1“. Und wie im Geiste mit dem Komponisten verwandt, breiteten die vier Streicher alle Wesensmerkmale dieses prächtigen Werkes aus: Sangliche Elemente im Hauptthema, marschartiges Scherzo und nie nachlassende Bewegung im Presto-Finale.

„Schön, dass die Musik so abwechslungsreich war“, meinte Frauke Kohn aus Bordesholm, und Petra Drews aus Neumünster ergänzte: „Hier wird es nie langweilig“.

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