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Bürgerentscheid : Pure Erleichterung und Entsetzen bei den Parteien

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

So reagieren Neumünsters Parteien auf die Entscheidung über den Großflecken. Der Blick richtet sich jetzt auf die Umgestaltung

von
erstellt am 27.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Neumünster | Die Entscheidung ist gefallen, und der Bürgerwille ist zu akzeptieren. Zumindest in diesem Punkt waren sich Neumünsters Rathausparteien am Tag nach dem Bürgerentscheid über den Großflecken gestern einig. Ansonsten gehen die Meinungen über die Konsequenzen aus dem überraschend eindeutigen „Nein“ zur Durchfahrsperre weit auseinander. Die Reaktionen reichen von purer Erleichterung bis zu blankem Entsetzen.

So etwa beim Bündnis für Bürger (BFB): Schlicht von einer „Katastrophe für Neumünster“ spricht der Fraktionschef von BFB/Piraten, Jörn Seib. Weil die Stadt jetzt gezwungen sei, den Verkehr auf dem Großflecken über verkürzte Ampelzeiten weiter zu drosseln, sei das Verkehrs-Chaos programmiert, warnt Seib.

Aus demselben Grund hält auch die SPD die Entscheidung der Bürgermehrheit für falsch. Es werde jetzt ungleich schwerer, die auferlegte Verkehrsberuhigung ohne größere Probleme umzusetzen, fürchtet Fraktionschef Uwe Döring. Gleichwohl richtete der Fraktionschef den Blick noch am Abend der Entscheidung klar nach vorn. Es sei jetzt um so dringlicher, zu überlegen, wie sich die Attraktivität und Aufenthaltsqualität des Großfleckens verbessern lasse, sagte Döring. Er verwies auf den Vorschlag der SPD, den Großflecken neu pflastern zu lassen; dieser Vorstoß wird auch von Teilen der CDU unterstützt. Zugleich stellte Döring klar, dass die SPD das Ergebnis des Bürgerentscheids respektieren wird: „Die Entscheidung ist falsch, aber sie ist für die nächsten Jahre bindend.“ Daran werde sich die SPD halten, unterstrich Döring.

Thomas Krampfer (Grüne) sieht nach dem Nein zur Durchfahrsperre schwere Zeiten auf den Großflecken zukommen. Dass jetzt die Kreuzung am Gänsemarkt ausgebaut werden müsse, werde die allseits geforderte Anbindung des ECE-Centers an den Großflecken weiter erschweren. „Die Besucher der Holsten-Galerie werden den Weg in die Innenstadt scheuen, wenn sie dazu eine mehrspurige stark befahrene Hauptstraße überqueren müssen.“ Die Idee von einem einladenden Boulevard zwischen Einkaufscenter und Großflecken, wie sie etwa auch von Thomas Michaelis (CDU) gefordert worden war, sei jetzt kaum noch möglich, bedauert Krampfer. Der Grünen-Ratsherr fordert ein Gesamtkonzept zur Umgestaltung des Großfleckens, wie es Michaelis bereits im Bauausschuss angemahnt hatte (der Courier berichtete).

Der CDU-Kreisvorsitzende Wolf Rüdiger Fehrs gab sich vom klaren „Nein“ zur Durchfahrsperre wenig überrascht. Das Ergebnis entspreche dem allgemeinen Stimmungsbild, das auch die große Mehrheit in der CDU teile: „Die Nachteile einer Sperrung überwiegen“, sagte Fehrs. Das klare Bürgervotum gebe jetzt den Kurs vor, den Großflecken attraktiver zu machen. Die CDU habe dazu in den vergangenen Wochen bereits viele Vorschläge öffentlich diskutiert und werde dazu in den nächsten Wochen ein Konzept vorlegen, kündigte Fehrs an.

Die FDP sieht in dem Bürgervotum auch einen Erfolg der eigenen Parteiarbeit: „Wir waren die erste Partei, die sich klar gegen die Sperrung positioniert hat“, erinnerte Marianne Lingelbach. Mit dem Entscheid allein sei es aber nicht getan, sagte die Ratsfrau: „Jetzt muss ein umfassendes Verkehrskonzept her, das die Holsten-Galerie einschließt.“

Linken-Ratsherr Jonny Griese hätte es am liebsten gesehen, wenn der Bürgerentscheid gescheitert wäre: Beide Alternativen – sowohl das Durchfahrverbot als auch die Variante mit den Pförtnerampeln – sind aus seiner Sicht unbefriedigend. „Wäre der Entscheid gescheitert, hätte der Rat nach einer vernünftigen Lösung suchen müssen“, sagte Jonny Griese. „Leider kommt es jetzt anders.“

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