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Boostedt : Puppenspieler Zelinka: „Als altes Zirkuspferd gibt man so schnell nicht auf“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Neumünsteraner kennt und liebt sein Handwerk seit 30 Jahren.

shz.de von
erstellt am 31.Jan.2014 | 07:30 Uhr

„Puppenspieler ist man nicht nur wegen des Geldes. Man muss mit dem Herzen spielen. Die Kinder merken sofort, wenn man nicht bei der Sache ist.“ Jan Zelinka weiß, wovon er spricht. Seit über 30 Jahren ist er Puppenspieler. Vorgestern gastierte er in Boostedt, gestern in Aukrug.

„Seid Ihr auch alle da?“: Groß und Klein kennen diese Frage, wenn es um Kasper, Seppel und Co. geht. Und dementsprechend laut ertönte auch ein „Ja“ von den 50 Besuchern, die sich in der Gaststätte Zum Waldkater zum Kaspertheater eingefunden hatten. Im Stil des klassischen Kaspertheaters gab dort die Altdeutsche Puppenbühne das Stück „Räuber Hotzenplotz“. Am Start waren dabei alle bekannten Figuren. Und neben Kasper und dem Räuber hatte natürlich auch Polizeioberwachtmeister Alois Dimpfelmoser wieder seinen großen Auftritt. Zur Freude des Publikums, denn alle amüsierten sich köstlich, sodass es am Ende auch am Applaus nicht fehlte.

Jan Zelinka verstand es, die Kinder immer wieder mit in das Stück einzubeziehen. So halfen sie mit lauten Rufen dem Kasper, den Seppel zu wecken, ein Liedchen wurde gemeinsam gesungen und bei einer wilden Verfolgungsjagd gab es so manchen Lacher.

Der 62-jährige gebürtige Tscheche hat viel Erfahrung als Puppenspieler. Heute sei es schwerer, die Kinder bei der Stange zu halten. „Viele können sich nicht mehr konzentrieren. Ich muss mir immer etwas Neues einfallen lassen, damit sie sich nicht ablenken lassen“, erzählt der Puppenspieler, der in seinen jungen Jahren als Zirkusartist auf dem Hochrad gearbeitet hat. „Aber es macht mir immer noch Spaß, und für kleine Kinder sind diese einfachen Geschichten einfach gut“, erläutert er weiter.

Vom Publikum bestaunt wurden auch die Puppen selbst. Schließlich sind die Formen der traditionellen Hohensteiner Handpuppen annähernd 100 Jahre alt. „Rund 300 Euro kostet eine Figur wie der Kasper. Sie werden immer noch als Unikate handgefertigt“, erzählt der Theaterdirektor nicht ohne Stolz.

Seit gut anderthalb Jahren ist Jan Zelinka, der lange Zeit in Süddeutschland lebte, in Neumünster zu Hause – „der Liebe wegen“, wie er sagt. Von hier aus bereist er nun ganz Schleswig-Holstein.

„Aber die Konkurrenz ist groß. Es sind so mindestens sechs, sieben Kollegen unterwegs. Da ist es manchmal nicht einfach, geeignete Spielorte zu finden“, erzählt er.

Doch auf die Vorstellung am kommenden Tag in Aukrug freut er sich auch schon wieder. Denn schließlich gehört der Puppenspieler „vom alten Schlag“ immer noch zum fahrenden Volk. „Als altes Zirkuspferd gibt man so schnell nicht auf“, meint Jan Zelinka lächelnd.



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