Pummeliger Nackedei schockt Nachbarin

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12. Juli 2018, 12:09 Uhr

Im Zweifel für den Angeklagten: Mit einem glatten Freispruch entließ das Amtsgericht gestern einen 61-jährigen Neumünsteraner, der im vergangenen Herbst seine Nachbarin sexuell belästigt haben soll.

Laut Anklageschrift sollte der Mann die 37-jährige Frau am späten Abend zunächst beim Rauchen auf ihrem Balkon beobachtet haben. Aus seiner gegenüberliegenden Wohnung heraus soll er Blickkontakt zu ihr hergestellt haben, um dann das Licht zu dimmen und mit heruntergelassener Hose an sich herumzuspielen.

So bestätigte es gestern auch die betroffene Frau vor Gericht: Sie habe erst zweimal hinschauen müssen, erinnerte sie sich an den Vorfall. Dann habe sie sich angeekelt abgewendet, die Jalousien heruntergelassen und die Polizei informiert.

Die klingelte wenig später an der Tür des einschlägig vorbestraften Mannes. Wegen exhibitionistischer Handlungen in der Öffentlichkeit war der Mann in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten und auch mehrmals zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Soweit – so klar.

Allerdings: Der Nachweis, dass der derzeit arbeitslose Hilfspfleger auch diesmal die Hose heruntergelassen hatte, fiel der Staatsanwaltschaft schwer – auch, weil das Opfer der Attacke offenbar nicht so genau hinschauen mochte oder konnte.

Gegenüber der Polizei hatte die Frau den Mann, den sie in der abgedunkelten Wohnung nur schwer erkennen konnte, noch als „mopsig“, pummelig, kurzhaarig und mit Bauchansatz beschrieben. Der Angeklagte im Gerichtssal war dagegen schlank und hatte das hüftlange Haar zu einem mächtigen Pferdeschwanz gebunden.

Vor Gericht verteidige er sich schlau: An den besagten Abend könne er sich nicht erinnern, weil er damals schon am Nachmittag mit Freunden gefeiert habe und früh betrunken gewesen sei. Außerdem habe zu dieser Zeit sein Bruder bei ihm gewohnt.

Sein Verteidiger fasste das kühl so zusammen: „Es gibt keine belastbaren Indizien oder Fakten gegen meinen Mandanten.“

Dem konnte auch der Richter trotz erheblicher Zweifel an der Unschuld des Angeklagten nichts entgegensetzen: „Vieles spricht dafür, dass Sie es gewesen sind, aber für ein Urteil muss ich davon überzeugt sein.“

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