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Holsteinischer Courier

16. August 2017 | 17:08 Uhr

Rickling : Psychiatrie: Nachfrage ist groß

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Psychiatrische Zentrum hat 302 Betten, doch das reicht nicht. Immer mehr Flüchtlinge benötigen Hilfe.

Rickling | Sich gravierend verändernde gesetzliche Grundlagen sowie die zunehmende Anzahl an Flüchtlingen mit akutem Behandlungsbedarf prägten den Jahresbericht des Landesvereins für Innere Mission, der im Psychiatrischen Zentrum in Rickling vorgestellt wurde.

„Bereits im ersten Halbjahr haben wir 35 Flüchtlinge als Akutfälle aufgenommen. Mindestens die gleiche Zahl erwarten wir auch für die zweite Jahreshälfte“, erklärte Pastor Rüdiger Gilde, Direktor des Landesvereins.

Besonders schwierig bleibe dabei die Sprachbarriere. „Denn sich über seine Befindlichkeiten überhaupt zu äußern, ist schon schwer. Dies jedoch in einer Sprache zu tun, in der man lediglich einige wenige Wörter kennt, ist geradezu unmöglich“, erläuterte er. Allerdings sei der Landesverein in punkto Mehrsprachigkeit durch die vorausschauende Suche nach mehrsprachigem Personal zurzeit schon besser aufgestellt als viele andere Institutionen.

Zu den anstehenden umfassenden gesetzlichen Änderungen erklärte Gilde, dass viele Neuerungen in nahezu allen Bereichen anstünden. „Doch die Basis der Weiterentwicklung der Arbeit im Landesverein bleibt auch unter den zukünftigen Rahmenbedingungen gegeben“, erklärte der Direktor.

Ungebrochen ist die hohe Nachfrage nach den Leistungen des Psychiatrischen Krankenhauses. Hier stehen zurzeit 302 Betten zur Verfügung. „Doch der Aufnahmedruck ist so stark, dass wir zurzeit um 14 weitere Plätze kämpfen“, berichtete Geschäftsführer Claus von See. Im Krankenhaus wurden im Vorjahr rund 3500 Patienten bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 27 Tagen behandelt. Fortgesetzt werde ebenso die Weiterentwicklung spezialisierter Behandlungskonzepte. „Hier bewährt sich das stetig verbesserte Netzwerk zwischen stationärem Aufenthalt, Tagesklinik und Begegnungsstätte. Doch die Patienten sind heutzutage auch besser informiert und erwarten eine bestimmte Palette an Angeboten“, erläuterte er weiter.

Ziel des gesamten Netzwerkes sei, die Wiederaufnahmezahlen möglichst niedrig zu halten. Diese liegen zurzeit bei 23 Prozent. „Vermieden werden soll der Drehtüreffekt. Denn dieser erzeugt Kosten, kostet Kapazitäten und schadet dem Patienten“, erklärte der Geschäftsführer.

Über die Behandlungs- und Betreuungsangebote aus dem Arbeitsbereich des Psychiatrischen Zentrums lautete es im Bericht, dass die in diesem Jahr neu eröffnete Tagesklinik in Norderstedt bereits mehr Zulauf habe, als die dortigen Kapazitäten hergäben. „Dennoch hat sich mit der Eröffnung insbesondere die Versorgung von Kindern erheblich verbessert“, berichtete von See. Abgerechnet werden in diesem Bereich zwischen 2000 und 2500 Behandlungsscheine pro Jahr.

Gutes habe sich auch aus der Umstrukturierung an Leistungen der Pflege für die Betreuung schwer und chronisch psychisch erkrankter Menschen sowie für die Eingliederungshilfe ergeben. „Mit einem verbesserten Personalschlüssel haben seit Jahresbeginn nicht nur Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, sondern alle Pflegeversicherten mit einem Pflegebedarf von mindestens einer Minute einen Anspruch auf zusätzliche Betreuung. Dadurch ist diesen Menschen nun eine aktivere Teilhabe am Leben möglich“, so Gilde.

Nach wie vor wird im Landesverein großer Wert auf die Ausbildung in der Pflege sowie auch in handwerklichen Berufen gelegt. Zurzeit stehen hier 162 Auszubildenden auf der Liste. Weitere 90 Plätze werden an Bewerbern für das freiwillige soziale Jahr (FSJ) oder im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes vergeben. „Dies ist eine gute Möglichkeit zur beruflichen Orientierung. Denn in der Pflege sind die Berufsaussichten nach wie vor hervorragend“, warb Claus von See.  


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