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Aus dem Gericht : Prozess um einen rätselhaften Einbruch

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit gestern muss sich ein junger Mann vor dem Jugendgericht verantworten. Dort wurden mehrere Versionen der Tat geschildert.

Neumünster | Es steht Aussage gegen Aussage: Mit der Version der Anklage ist der junge Neumünsteraner (22) keinesfalls einverstanden. Seit gestern muss sich der arbeitslose Mann vor dem Jugendgericht wegen Wohnungseinbruchdiebstahls verantworten. Vor fast genau zwei Jahren, am 9. Juni 2015, soll er in einem kleinen Dorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde in ein Haus eingebrochen sein. Laut Staatsanwaltschaft schlug er die Scheibe der Terrassentür ein und gelangte durch das Loch an den Türgriff. In dem Haus soll er unter anderem Geld, einen Fernseher, einen Laptop, Schmuck – unter anderem Eheringe – und ein 128-teiliges Silberbesteck gestohlen haben. Insgesamt entstand ein Schaden von rund 24  000 Euro. Laut Anklage wollte der junge Mann die Beute verkaufen und zum Teil für sich behalten.

Das Brisante an der Sache: Zur Tatzeit soll der Angeklagte mit der betroffenen Familie eng befreundet gewesen sein, er ging dort offenbar seit Jahren ein und aus. Vor Gericht erzählte der junge Mann gestern eine deutlich andere Version der Geschichte. „Ich war damals bei der Familie, habe dort auch übernachtet. Die Eltern waren im Urlaub“, erklärte der 22-Jährige. Am Tattag soll der Sohn der Familie (21) ihn plötzlich um einen Rat gebeten habe. „Der hatte einen Autounfall gehabt, konnte die Rechnung nicht zahlen und brauchte dringend Geld. Da wollte er von mir einen Tipp haben, wie man schnell zu Geld kommen könnte. Da haben ich den dummen Vorschlag gemacht, dass er ja das Haus ausräumen könnte. Das haben wir dann auch gemacht und lauter Sachen in den Peugeot seiner Eltern geladen“, so der Angeklagte. Der Sohn des Hauses habe später noch mit einem Hammer die Scheibe der Terrassentür eingeschlagen, damit es wie ein Einbruch aussieht. Den Hammer habe er später auf dem Weg nach Bad Segeberg aus dem Auto geworfen, hieß es. Die Beute habe man später bei mehreren Bekannten gelagert. Der Neumünsteraner will nach der Tat von dem Sohn ein Samsung-Handy bekommen haben. „Das habe ich dann für 200 Euro verkauft“, erklärte er. Ein Bekannter, bei dem auch Beute gelagert worden seien soll, habe ihm später noch eine Musikanlage geschenkt. Die wurde bei einer Durchsuchung von der Polizei in der Wohnung des Angeklagten gefunden.

Der Sohn der bestohlenen Familie, gegen den laut Richterin ein gesondertes Verfahren läuft, erschien gestern als Zeuge vor Gericht. Die Version seines ehemaligen Kumpels auf der Anklagebank wies er entschieden zurück. Zwar habe der Neumünsteraner damals immer mal wieder bei ihm übernachtet, einen gemeinsamen Einbruch habe es aber keinesfalls gegeben. Zur Tatzeit zwischen 15 und 23.30 Uhr will der Zeuge mit dem Auto seiner Eltern unterwegs zu mehreren Freunden gewesen sein. Demnach kam er erst spät mit einer Freundin aus Bad Segeberg zurück zum Elternhaus und bemerkte die Misere daheim. Finanzielle Engpässe habe er nicht gehabt. Warum sein ehemalige Kumpel ihn „in die Sache reinziehen“ wolle, wisse er nicht.

Die Freundin (22), die damals mit ihm heimgekommen seien soll, bestätigte im Zeugenstand im Wesentlichen die Version des Sohnes. Sie schilderte, wie sie damals auf das Grundstück fuhren. Als der Sohn die kaputte Scheibe sah, sei er sofort wieder auf die Straße zurück gefahren. „Er war total geschockt, als er den Einbruch sah. Wir wussten nicht, ob da noch jemand im Haus ist und haben deshalb lieber vor dem Grundstück auf die Polizei gewartet“, sagte die Zeugin.

Um Licht ins Dunkel zu bringen , entschied sich das Gericht, noch drei weitere Zeugen zu hören. Die müssen jetzt noch geladen werden. Der Prozess wird deshalb erst Ende der kommenden Woche fortgesetzt.  

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erstellt am 02.Jun.2017 | 08:26 Uhr

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