Gerichtsbericht : Prozess um die Störung eines Polizeieinsatzes

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Ein Ortstermin vor der Haustür soll offene Fragen klären.

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27. März 2014, 17:00 Uhr

Neumünster | Der Polizeieinsatz galt eigentlich nicht dem Angeklagten. Doch er nahm eine ungewöhnliche Wendung – und deshalb muss sich der Anwohner (59) jetzt vor dem Amtsgericht verantworten. Laut Anklage soll er am 29. August vergangenen Jahres die Arbeit mehrerer Streifen im Innenhof neben seiner Wohnung an der Altonaer Straße durch üble Beleidigungen gestört haben. Später soll er sich penetrant widersetzt haben, als ein Beamter seine Personalien feststellen wollte. Ein Polizist wurde laut Staatsanwaltschaft bei der Auseinandersetzung leicht verletzt.

Alles begann gegen 23 Uhr, als ein Streifenwagen zum Wohnkomplex des Angeklagten raste, um dort einen Einbrecher festzunehmen. Offenbar hatte ein Nachbar des Angeklagten zuvor versucht, in der Nähe einzubrechen und war dann nach Hause geflohen – nicht unbemerkt von Zeugen. Als die Ermittler mit insgesamt drei Streifenwagen und einem Polizeihund eintrafen, blieb das in dem Areal mit zahlreichen Wohnungen nicht unbemerkt. Auch der Angeklagte, der mit seinem Vermieter gerade daheim zum Plausch zusammensaß, wurde aufmerksam. Die Männer gingen hinaus – um den Beamten Auskunft zu geben.

Dass es im weiteren Verlauf zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei kam, bestreitet der Angeklagte vor Gericht nicht. Doch warum die Sache eskalierte – da gehen die Meinungen auseinander. Sicher ist: Der Einsatz wurde zeitweilig für alle Beteiligten ziemlich heikel. Denn ein weiterer Nachbar hatte trotz mehrerer Hinweise der Beamten seinen Hund aus der Wohnung entwischen lassen. Und der leistete sich sofort eine wilde Beißerei mit dem Polizeihund. Diese Situation soll der Angeklagte lautstark und beleidigend kommentiert haben. Doch der bestreitet jede unflätige Bemerkung. Stattdessen will er sich ausschließlich mit seinem Bekannte n unterhalten haben. In der – wenn auch falschen – Annahme, der Diensthund habe auch die Hundeführerin gebissen, kommentierte er nach eigenen Aussage: „So ein Hund gehört erschossen.“

Das hatten mehrere Polizeibeamte anders in Erinnerung, als sie jetzt als Zeugen befragt wurden. Demnach hatte der Mann lautstark die Beamtin beleidigt, die für den Diensthund verantwortlich war. „Für die Anwohner war das besser als Tatort“, so ein Beamter.

Als die Lage wieder ruhig war, ging ein Polizist zur Wohnung des Angeklagten, um die Personalien festzustellen. Doch der Mann weigerte sich, zeigte stattdessen aufs Türschild. Da das jedoch nicht als Dokument gilt, beharrte der Beamte auf die Papiere. Als der Anwohner daraufhin die Tür schließen wollte, sprang ein weiterer Polizist hinzu. Beim Gerangel im Türbereich trug einer der Beamten eine Schürfwunde davon, zumindest laut Akte. Der Angeklagte war von blauen Flecken übersät. Als Herzpatient hatte er zu der Zeit Blutverdünner nehmen müssen. Weil der Rechtsbeistand des Angeklagten daran zweifelt, dass der Türrahmen die Verletzung des Polizisten verursachte, setzte er eine Ortsbesichtigung durch. Deshalb wird sich das Gericht in der übernächsten Woche vor der Haustür treffen.

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