Gerichtsbericht : Prozess um blutigen Beziehungsstreit

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Ein Neumünsteraner muss sich wegen versuchten Totschlags vor dem Kieler Landgericht verantworten.

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17. Februar 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | Ein blutiger Beziehungsstreit beschäftigt seit gestern das Kieler Landgericht. Angeklagt ist ein Neumünsteraner (38). Er soll am 15. November 2016 in einer Wohnung im Kieler Zwitscherviertel auf seine Freundin (36) eingestochen haben. Die Anklage wertet das als versuchten Totschlag.

Laut Staatsanwaltschaft wollte der Mann kurz nach 20 Uhr seine damalige Lebensgefährtin in der Wohnung eines gemeinsamen Bekannten dazu bewegen, mit ihm zu kommen. Die Frau habe zuvor geschlafen, und als sie sich anzog, sei das dem Angeklagten nicht schnell genug gegangen, hieß es. Im Streit habe der Gelegenheitsarbeiter seiner Freundin Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und ihr Haarbüschel herausgerissen. Wenig später habe er sie mehrmals gewürgt. Danach habe er ein Messer aus der Küche geholt und ging auf die Frau los. „Er versuchte in Tötungsabsicht auf ihren Oberkörper einzustechen“, hieß es in der Anklage. Schließlich soll er ihr im Bereich der rechten Schulter zwei Mal in den Rücken gestochen haben. Erst als der Wohnungsinhaber, bei dem das Pärchen damals wohnte, von den Hilferufen erwachte und einschritt, ließ der Mann von seinem Opfer ab, so die Anklage.

Eine handfeste Auseinandersetzung stritt der Neumünsteraner gestern vor Gericht nicht ab. Allerdings wertete er die Schnitte als eine Art Unfall im Gerangel. Nach seiner Schilderung entzündete sich die Auseinandersetzung, während gemeinsam Whiskey und Bier getrunken wurde, an einem Telefonat. Aus dem habe er erfahren, dass seine Freundin fremdgegangen sei. Im anschließenden Streit habe sie zu einem Messer gegriffen. Als er es ihr abnehmen wollte und sie sich wehrte, habe er sie auf die Couch gedrückt. „Dadurch wurde sie dann wohl verletzt“, meinte der Mann. Er will sich noch in der Wohnung um die Verletzte gekümmert und seinen Kumpel um einen Anruf bei Rettungsdienst gebeten haben.

Als der Streit ausbrach, waren alle Anwesenden stark betrunken: Der Angeklagte hatte laut Gericht einen Wert von 2,9 Promille Atemalkohol, die Frau brachte es auf 2,29 und der Wohnungsinhaber auf 1,18 Promille. „Bei polizeilichen Einsätzen war das Paar in der Regel stark alkoholisiert. Er wurde aggressiv, wenn er viel getrunken hatte. Die Beziehung war ein Hin-und-Her. Mal ging er mit einer Gabel auf ihren Hund und die Frau los, mal hat sie ihm im Streit eine Whiskeyflasche auf den Kopf geschlagen“, erklärte eine Polizistin, die auch nach der Bluttat vor Ort gewesen war, als Zeugin.

Die Beamtin hatte sich auch nach dem Vorfall mit der verletzten Frau unterhalten und schilderte: „Sie zitterte am ganzen Körper und weinte laut. Erst im Krankenhaus konnte sie über alles sprechen.“

Auch wenn die Verletzungen nicht lebensbedrohlich waren, so hatte die Frau doch offenbar Todesangst ausgestanden. „Ich dachte, mein Leben sei vorbei, alles sei jetzt zu Ende“, soll das Opfer zu der Polizeibeamtin gesagt haben.

Nach Aussage des Angeklagten, der in Tadschikistan geboren wurde, als Kind nach Deutschland kam und hier offenbar schwer Fuß fassen konnte, haben sich beide später ausgesprochen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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