Kieler Landgericht : Prozessauftakt nach blutigem Streit in Neumünsteraner Erstaufnahmeeinrichtung

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Eine Gewalttat in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge am Haart in Neumünster beschäftigt das Landgericht. War es ein sexueller Übergriff?

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13. Januar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Eine Bluttat in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge am Haart beschäftigt seit Freitag die 8. Strafkammer des Kieler Landgerichts. Angeklagt ist versuchter Totschlag. Nach einem Streit soll ein Mann (26) aus Afghanistan am 12. Juni vergangenen Jahres mitten in der Nacht auf einen Albaner (20) eingestochen und ihn lebensgefährlich verletzt haben. Zwar gab der Angeklagte am ersten Verhandlungstag über seinen Anwalt die Vorwürfe zu. Dennoch wirft die Auseinandersetzung viele Fragen auf, insbesondere wenn es um die Hintergründe der Tat geht. Dabei spielen Sprachbarrieren ebenso eine Rolle wie kulturellen Unterschiede und Drogenkonsum.

Dass der Ältere in der besagten Nacht gegen 2.30 Uhr mehrfach mit einem Küchenmesser auf seinen Kontrahenten einstach, steht außer Frage. Der heute 20-Jährige habe ihn aber zuvor sexuell bedrängt. Angeekelt und schockiert habe er sich gegen die Annäherungsversuche gewehrt. Erst als eine Kopfnuss und ein Stich in den Arm den jungen Albaner nicht stoppten, habe er Richtung Oberkörper gestochen. Er habe den Mann nicht töten wollen. Für ihn als gläubigen Moslem seien solche Kontakte eine schwere Sünde, verlas der Verteidiger für seinen Mandanten.

Das Opfer erzählte eine ganz andere Geschichte: Demnach überfiel ihn der Angeklagte in der Nähe des Flüchtlingsheims, bedrohte ihn mit einem Messer und forderte Geld. Mit 3500 Euro und seinem Pass sei der Mann geflüchtet und in der Landesunterkunft verschwunden. Der Albaner will ihn bis ins Zimmer verfolgt und dort Geld und Papiere zurückverlangt haben. Dabei sei es zum Streit gekommen. Er selbst habe sich die Hose ausgezogen, „damit er das Geld wieder in die Tasche legen konnte“, so der Zeuge, der auch als Nebenkläger auftritt. Plötzlich sei er mit dem Messer attackiert worden.

Mit seiner Schilderung warf der Hauptbelastungszeuge Fragen auf. Immer wieder hakten die Juristen nach, zu viele Details variierten im Vergleich zu früheren Aussagen. Sexuelle Absichten wies der Mann von sich.

Sicher ist jedoch: Das Opfer hatte auf dem Gelände der Erstaufnahme eigentlich gar nichts zu suchen. Während der Angeklagte damals regulär dort untergebracht war, stuften mehrere Mitarbeiter des Wachdienstes das Opfer als sogenannten „Zaunspringer“ ein. „Das sind Leute, die illegal aufs Gelände kommen, um Leute zu besuchen oder zu übernachten“, hieß es.

Zu dieser Gruppe zählt der Wachdienst auch einen weiterer Zeugen (16), der offenbar die Bluttat mit ansah. Er will mit den beiden Männern zuvor mitten in der Nacht gefeiert haben. „Chillen, Hasch rauchen, Musik hören“, beschrieb er das Beisammensein. Doch Licht ins Dunkel brachte auch er nicht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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