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Gerichtsbericht : Prozess: Frau feuerte auf ihren Freund

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Als ein Streit eskalierte, griff sie zum Schreckschussrevolver.

shz.de von
erstellt am 13.Mär.2015 | 06:45 Uhr

Neumünster | Das Opfer war gestern nicht vor Gericht erscheinen – aus Angst. Durch ein ärztliches Attest hatte sich der Mann entschuldigen lassen. Seine ehemalige Freundin (44), die er offenbar auch ein Jahr nach der Tat noch fürchtete, war jedoch gekommen. Sie musste auf der Anklagebank Platz nehmen. Am 17. März vergangenen Jahres soll die Frau vor ihrer Wohnung an der Friedrichstraße gegen 2 Uhr nachts ihrem damaligen Lebensgefährten mit einem Schreckschussrevolver ins Gesicht geschossen haben. 20 kleine Verletzungen erlitt der Mann am Kopf.

Die Angeklagte gab vor dem Richter gestern zwei Schüsse zu und erzählte, wie sich ein Streit immer weiter hochgeschaukelt hatte. „Wir tranken zusammen bei mir Bier“, berichtete sie. Irgendwann am späten Abend habe dann ein Bekannter angerufen. Daraufhin sei ihr Freund „mal wieder rasend eifersüchtig“ geworden. Als der Bekannte der Frau dann auch noch wenig später mit einer Flasche Korn und einer Flasche Cola vor der Tür stand, eskalierte die Situation offenbar. Der eifersüchtige Freund ging auf den nächtlichen Besucher los – und wurde von seiner Freundin kurzerhand vor die Tür gesetzt.

Nach einer Weile klopfte der Mann wild ans Küchenfenster und an die Haustür, da er sein Portemonnaie vergessen hatte. „Ich dachte, das Fenster geht kaputt“, sagte die Frau. „Ich hatte Angst und hab mir lieber die Knarre geholt“, meinte sie. Dann will sie ihm das Portemonnaie mit den Worten „Hau’ endlich ab!“ gegeben haben.

Doch da sei der Mann plötzlich auf sie zugekommen. „Er sagte: ‚Ich bring’ dich um.‘ Da habe ich losgeballert. Aber auf die Beine. Ich würde niemals jemandem ins Gesicht schießen“, beteuerte sie.

Das mochten Richter und Staatsanwalt angesichts der Gesichtsverletzungen allerdings nicht glauben. Gemeinsam mit der Angeklagten sahen sie sich noch einmal die Fotos an, die die Polizei kurz nach der Tat von dem Opfer gemacht hatte. Außerdem zweifelten die Juristen an der Drohung, die der Mann ausgestoßen haben soll. Denn davon war kurz nach der Tat keine Rede gewesen.

Die Widersprüche konnte die Frau gestern nicht recht erklären. „Das habe ich bei der Polizei dann wohl vergessen. Außerdem ist ja alles schon recht lange her“, sagte sie. Das reichte den Juristen jedoch nicht aus.

„Das war keine Notwehr. Einen Angriff hat es nicht gegeben“, war sich der Staatsanwalt sicher. Der Richter betonte, dass es durchaus andere Möglichkeiten gegeben hätte, die Situation zu lösen. „Sie hätten ins Haus gehen, die Tür zumachen und die Polizei rufen können“, sagte er. Das sah die Frau ein.

Sie war deshalb auch sofort einverstanden, als Richter und Staatsanwalt über eine Verfahrenseinstellung nachdachten. Jetzt muss die schießwütige Frau, die nicht vorbestraft ist, innerhalb eines halben Jahres 240 Euro an den Weißen Ring zahlen. Danach ist die Sache für sie erledigt. Ihre Schreckschusswaffe wird sie allerdings nicht wiedersehen. Dem Opfer bleibt durch die Einstellung des Verfahrens eine Aussage erspart.

 

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