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Gerichtsbericht : Prozess beginnt mit schweren Vorwürfen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Paar aus Padenstedt soll mit kranken Hunden gezüchtet haben. Die Staatsanwaltschaft listete 35 Fälle auf . Die Angeklagten wehren sich gegen die Vorwürfe.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2016 | 13:00 Uhr

Neumünster | Mit der Verlesung der Anklage begann gestern vor dem Schöffengericht der Prozess gegen ein Paar (44 und 60) aus Padenstedt, das über Jahre unheilbar kranke Hunde gezüchtet und diese verkauft haben soll. Vor gut besetzten Zuschauerreihen erhob die Verteidigung anschließend schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft. Deren Vorgehen habe „regelrechte Hetzkampagnen“ ausgelöst, hieß es.

Zuvor hatte die Anklagevertreterin insgesamt 35 Fälle aus den Jahren 2011 bis 2014 aufgelistet. Die Labradore sollen alle von Elterntieren abstammen, die laut Anklage an Hüft- beziehungsweise Ellenbogendysplasie erkrankt waren (der Courier berichtete). Für die Welpen soll das Paar zwischen 650 und 1100 Euro bekommen haben. Insgesamt seien mehr als 26  000 Euro erzielt worden. „Die Angeklagten handelten in einem gemeinsamen Entschluss, vermeintlich kranke Tiere zu verkaufen“, so der Vorwurf. Die Staatsanwältin erinnerte an die hohen Tierarztkosten, auf denen die Käufer der Welpen sitzengeblieben seien. Außerdem seien die Tiere in der Lebensqualität zum Teil erheblich eingeschränkt.

Über seine Verteidigung ließ das angeklagte Paar Erklärungen verlesen und wies dabei die Vorwürfe weit von sich. „Es gab keine Veranlassung, an der Zuchttauglichkeit der Tiere zu zweifeln“, hieß es. Die Verteidiger verwiesen sowohl auf tierärztliche Untersuchungen der Hunde, als auch auf die Zulassung, die allein der Zuchtverband erteilt habe. „Es wurden nie Welpen verkauft, die objektiv krank waren“, erklärten die Juristen weiter und zählten diverse Auszeichnungen auf, die Tiere aus der besagten Zucht einst erhalten hatten.

„Die Hetze zivilrechtlicher Kontrahenten und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft“ belaste insbesondere den seit Jahren schwer kranken Mann sehr. So seien elf Hunde an den Folgen der Durchsuchung und Röntgenuntersuchung gestorben. Die Verteidigung beantragte, das Verfahren einzustellen. Als Begründung nannte sie unter anderem Vorverurteilungen – vor allem in sozialen Medien. „Die Unschuldsvermutung ist gefährdet, ein faires Verfahren nicht mehr möglich“, hieß es. Gleichzeitig bemängelten die Rechtsbeistände, dass die konkrete Zuordnung der Tatbeiträge in der Anklage überhaupt nicht möglich sei.

Die Staatsanwaltschaft wies diese Kritik von sich und erklärte, man werde der Beweisaufnahme nicht vorgreifen. Dann beantragte sie, eine Juristin aus der insgesamt dreiköpfigen Verteidigerriege abzulehnen, weil diese ihre Zulassung verloren habe. Die betroffene Juristin, die seit Jahren in Verfahren rund um das Tierschutzgesetz auftritt, erläuterte, dass sie die Zulassung aufgrund von Zahlungsengpässen während eines eigenen Strafverfahrens vorübergehend verloren habe. Das Gericht wird jetzt über die Anträge entscheiden. Der Prozess wird fortgesetzt.

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