Neumünster : Prostitution: 13 Betriebe sind gemeldet

Wer der Prostitution nachgehen möchte, muss dies anmelden.
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Wer der Prostitution nachgehen möchte, muss dies anmelden.

Stadt will die Aufgaben nach dem Prostituiertenschutzgesetz gemeinsam mit den Kreisen Ostholstein und Plön angehen.

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06. Februar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Die Stadt setzt bei den Aufgaben, die mit dem Prostituiertenschutzgesetzes auf sie zukommen, auf die Zusammenarbeit mit bewährten Partnern. Ein entsprechender Kooperationsvertrag mit den Kreisen Ostholstein und Plön steht auf der Tagesordnung der Ratsversammlung am 13. Februar.

Mit beiden Kreisen arbeitet Neumünster seit Jahren schon erfolgreich in einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe Schwarzarbeit zusammen. Schattenwirtschaft gibt es auch im horizontalen Gewerbe. Zielrichtung des neuen Gesetzes ist aber der Schutz der Prostituierten durch die Bekämpfung von Kriminalität wie Menschenhandel, Gewalt und Ausbeutung durch Zuhälter, heißt es in der Ratsvorlage.

Zum Jahreswechsel endete die Übergangsfrist, bis zu der sich Betriebe bei der Stadt für eine Betriebserlaubnis anmelden mussten. Das haben laut Stadtsprecher Stephan Beitz „acht Zimmervermietungen, eine davon in Wasbek, eine Erotikmassage und vier Escort-Begleitservices“ getan. Auch wenn das Ansichtssache sei: „Offiziell haben wir keine Bordell-Anmeldung“, so Beitz. Die Prostituierten selbst sind zu Informations- und Beratungsgesprächen im Landesamt für soziale Dienst an der Steinmetzstraße verpflichtet. Dort gibt es dann den sogenannten „Huren-Pass“, der offiziell „Anmeldebescheinigung für Prostituierte“ heißt.

Der Anmeldebehörde lagen bis Ende Januar 708 Anmeldungen aus Schleswig-Holstein vor, teilte Oliver Breuer vom Ministerium für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung mit. Wie viele Prostituierte aus Neumünster sich angemeldet haben, kann das Ministerium nicht beantworten, da darüber keine Statistik geführt werde.

Zusätzlich zum Landesamt für soziale Dienste gebe es mit „Cara“ eine anerkannte Fachberatungsstelle. Die von der Nordkirche getragene Beratung hat ihren Sitz an der Christianstraße in Neumünster und ist unter Tel. 0151-72 31 22 06 oder per Mail unter info@cara.sh erreichbar. Cara biete „ein anonymes, kostenloses, niedrigschwelliges, freiwilliges, vertrauliches, mehrsprachiges Beratungsangebot zu allen Fragen im Kontext der Prostitution“, so Ministeriumssprecher Breuer.

Beim „Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen“ in Berlin sieht man das Prostituiertenschutzgesetz kritisch. Es sei „ohne Beteiligung von Sexarbeiter*innen entworfen“ und verabschiedet worden, enthalte „die umfangreiche Beschneidung der Grundrechte von Sexarbeiter*innen und legt ihnen vielfältige Pflichten auf“. Es sei absehbar, dass die Umsetzung dieses Gesetzes negative Auswirkungen auf die Lebenslage der Betroffenen haben werde.

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