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Sperrbezirke : Prostituierte müssen ins Gewerbegebiet

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ordnungsamtschef und Polizeistellenleiter erklärten im Stadtteilbeirat Brachenfeld-Ruthenberg über 70 Besuchern die geplante Verordnung.

Selten hatte der Stadtteilbeirat Brachenfeld-Ruthenberg so viele Besucher wie am Donnerstagabend. Mehr als 70 Bürger, überwiegend Anwohner der Plöner Straße, des Heischredders und Waldwiesenwegs, diskutierten in der Aula der IGS über die Situation mit den Prostituierten. Während die Damen draußen vor dem Parkplatz der Schule auf Kunden warteten, erklärten Holger Schwarck, Chef des Ordnungsamtes, und Dieter Jung, Leiter des 1. Polizeireviers, im Gebäude die in Arbeit befindliche Sperrbezirksverordnung (der Courier berichtete). Am Dienstag wird die Ratsversammlung das Papier beraten, dann fehlt noch die Zustimmung des Innenministeriums. Endgültig entscheidet Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras über den Erlass.

Laut Schwarck wird darin eine Liste der Straßen aufgeführt, in denen Prostitution künftig verboten ist: „Das ist weitestgehend flächendeckend das Stadtgebiet von Neumünster.“ Keine rechtliche Grundlage gegen das Sex-Geschäft gebe es allerdings in den Industriegebieten. Dorthin könnten die Prostituierten ausweichen. Zudem ende die Verbindlichkeit des Verbots an den Stadtgrenzen. „Würden die Damen an der Plöner Straße weiter Richtung Husberg ziehen, wäre es ein Problem des Kreises Plön. Aber die sind darauf auch schon aufmerksam geworden“, sagte der Ordnungsamts-Chef.

Ausführlich und detailliert beschrieben mehrere Anwohner die derzeitige Lage. Demnach breitet sich die Prostitution in dem Gebiet immer weiter aus. „Mittlerweile geben sich die Freier hier auf einem Feldweg die Klinke in die Hand. Ein Wagen fährt nach dem Geschäft raus, der nächste biegt ein“, erklärte ein Anlieger des Heischredders. Mehrere Besucher berichteten von gebrauchten Kondomen und Hygieneartikeln, die nicht nur auf dem Schulhof, sondern mittlerweile offen auf der Straße und in Gärten liegen. Und: „Die Freier kommen aus dem ganzen Land. Sie lassen sich auch nicht davon abschrecken, wenn man sie fotografiert oder ihre Kennzeichen aufschreibt“, sagte ein Mann. Mehrere Mütter erklärten, sie hätten große Angst um ihre Kinder. Ein Anwohner überreichte eine Liste mit über 300 Unterschriften gegen die Prostitution in dem Gebiet.

Stadt und Polizei mussten sich oft den Vorwurf anhören, sie hätten zu spät und nicht konsequent genug gehandelt. Anzeigen wegen Jugendgefährdung oder Erregung öffentlichen Ärgernisses seien verschleppt und nicht ausreichend untersucht worden. Kritik, die Holger Schwarck und Dieter Jung entschieden zurückwiesen. „Wir haben die Lage von Anfang an im Griff“, konstatierte Jung. Schwarck erklärte, jeder Anzeige werde nachgegangen. „Es gibt aber nur eine Teilzeitkraft bei uns, die auch noch im Urlaub ist.“ Allerdings habe sich die Stadt schon früh mit der Polizei abgesprochen. „Es gibt in Schleswig-Holstein sonst keine Straßenprostitution. Die Situation war für uns neu“, sagte er und ergänzte: „Es ist nicht einfach, eine rechtssichere Verordnung zu erlassen. In Süddeutschland sind Städte reihenweise vor Gericht gescheitert, weil die Richter das Recht auf Berufsausübung sehr hoch einstuften.“ Daher habe sich die Verwaltung auch viele Ratschläge aus den betroffenen Städten geholt. Jung begrüßte das Einrichten der Sperrbezirke. „Endlich haben wir etwas in der Hand, mit dem wir arbeiten können.“

Thorben Pries, Büroleiter von Tauras, erklärte gestern, sein Chef werde die Verordnung umgehend unterzeichnen, wenn die Genehmigung des Innenministers vorliegt. „Dort weiß man um die Dringlichkeit“, sagte er. Der Erlass tritt dann am Tag der Veröffentlichung in Kraft.

 

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erstellt am 14.Sep.2013 | 07:30 Uhr

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