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Vereinsauflösung : Presseclub: Das Aus nach 47 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nur 35 Mitglieder – viele sind zu alt für Ausflüge und weite Reisen / Beliebt waren die motto-orientierten Pressebälle / Vermögen wird gespendet

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 18:40 Uhr

Neumünster | Ein wenig Wehmut klang gestern schon an bei Jörn Matthies (70) und Manfred Putzehl (66): Der Vorsitzende des Holsteinischen Presse-Clubs (HPC) und sein Stellvertreter verkündeten bei einer Spendenübergabe an die Tafel das Aus des Traditionsvereins. „Es liegt an der Altersstruktur, wir haben es nicht geschafft, die jüngere Generation ins Boot zu holen“, so Matthies. Auf der letzten Mitgliederversammlung wurde beschlossen, den Verein aufzulösen und das Restvermögen in Höhe von 500 Euro zu spenden. Außerdem wurden über 1000 Euro an die Deutsch-Philippinische Gesellschaft gespendet, um dem herzkranken Mädchen Mary Joyce zu helfen.

Gerade mal 35 Mitglieder, die meisten schon im hohen Alter, zählte der Verein zuletzt. „In den 70er-Jahren hatten wir über 100 Mitglieder“, erinnert sich Matthies. Geboren wurde der HPC am Stammtisch unter Federführung von Karl-Ernst Jipp, Redakteur bei der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung. Er wurde erster Vorsitzende; Mitstreiter waren Wolfgang Spahr, Harald Wolff (Kieler Nachrichten), Thea Bienk und Pelle Dose. Das erste Pressefest wurde mit großem Erfolg in der Reichshalle gefeiert. Ziel des Vereins war es, ein gutes Verhältnis zwischen Öffentlichkeit und Presse zu pflegen, seinen Mitgliedern umfassende Informationen zu verschaffen und die Belange der Presse zu fördern. Im Laufe der Jahre gab es viele Vorträge und Informationsreisen in die Welt – nach Ägypten, Hongkong, Budapest, Norwegen und Südafrika.

1978 erhielt Jipp das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um das Pressewesen und ging als Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur nach Skandinavien. Sein Nachfolger wurde Courier-Redakteur Jürgen Peters; dessen Nachfolger wurde Erich Brinkmann, dann Wolfgang Haaker. Als dieser 2002 verstarb, übernahm wieder Karl-Ernst Jipp. Er verstarb 2007. Joachim Pieth übernahm die Vereinsführung, gefolgt von Paul Meints und schließlich Jörn Matthies.

Um das Clubleben zu fördern, wurden die Pressebälle ins Leben gerufen, die zu den Höhepunkten der Veranstaltungen in der Stadt wurden. Sie hatten immer ein Thema; engagiert wurden bekannte Showbands wie die „Joe Lord Company“. Insgesamt wurden 25 Pressebälle organisiert, die auf breite Resonanz stießen. Eine alte Mitgliederliste von 1971 und den Artikel im Courier zum 25-jährigen Club-Bestehen hat Dieter Wagner (78), der 46 Jahre im Club ist, in seinem persönlichen Archiv. „Es war Pflicht für Unternehmer und Persönlichkeiten, im Club zu sein“, sagt er. Herausgeber, Rechtsanwälte, Firmenchefs stehen auf der Liste; es gab außerdem einen Freundeskreis. Wagner, der 30 Jahre bei der Stadt im Hauptamt arbeitete und 21 Jahre „Mr. Holstenköste“ war, findet die Auflösung bedauerlich: „Der Presseclub hat mein Leben bereichert“, sagt er.

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