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Schultheaterfestival : Premiere brachte Weltbild ins Wanken

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zum Auftakt des 15. Schultheaterfestivals präsentierte der Jugendtheaterclub vor 150 Zuschauern das Stück „Die Gerechten“ von Albert Camus.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2014 | 07:30 Uhr

Neumünster | Ist Mord an einem Mörder ein Akt der Gerechtigkeit? Zum Auftakt des 15. Schultheaterfestivals in der Stadthalle gab es schwere Kost: Unter der Regie von Maximilian Kornprobst (22) präsentierte der Jugendtheaterclub vor etwa 150 Zuschauern „Die Gerechten“ von Albert Camus.

Das diesjährige Motto der Theaterreihe lautet „Karriere und Existenz“, und Kornprobst interessiert in dieser Hinsicht an dem kurz nach dem Zweiten Weltkrieg uraufgeführten Drama die Frage, „wie man ein Leben führt, wenn man sich einem Ideal verschrieben hat. Ist das Ideal wirklich die treibende Kraft oder existieren andere, ganz persönliche Motive?“ Fünf russische Untergrundkämpfer treffen sich in einem Zimmer und planen ein Attentat auf den Zaren. Als das Vorhaben zu scheitern droht an der Frage, ob Kinder für die Revolution geopfert werden dürfen, entfalten sich philosophische Grundsatzdebatten über Gerechtigkeit, Religion, Liebe, Moral, Kunst. Aus Polaritäten werden komplexe Zusammenhänge und den Figuren wird klar : Eine absolute Instanz, die das richtige Leben weist, existiert nicht. Jeder handelt aus individuellen, konkreten Beweggründen heraus.

Die aufkommenden Zweifel an einer dogmatischen Lebenshaltung werden besonders bei dem Attentäter Janek (Michel Schuhmacher, 19) gezeigt. Um die argumentative und emotionale Vielschichtigkeit, die sich innerhalb der Figur entwickelt, zu betonen, bedient sich der Regisseur eines Tricks: Er gliedert die Rolle auf in drei Schauspieler (zusätzlich: Katharina Riepen, 18, und Friederike Lenz, 18). „Das erleichtert den Schauspielern die Rolle und verdeutlicht zugleich die Absicht“ erklärt Maximilian Kornprobst.

Die schauspielerischen Leistungen waren angesichts dieses anspruchsvollen, vertrackten Stücks insgesamt beeindruckend. Besonders stark in aggressivem, unbeirrbarem Ausdruck zeigte sich Tim Lukas Kornprobst (20), der Bruder des Regisseurs, als Stepan: „Es war schwierig, einen Mann zu spielen, der geistig eine Ruine und völlig frustriert ist“ erklärte er die Herausforderung seiner Rolle. Auch Jessica Harich (20) als verwitwete Zarin überzeugte, die mahnend und fragend ein festes Weltbild ins Wanken brachte. Die karge Bühnenausstattung – ein Tisch mit Stühlen – spiegelte die zumindest proklamierte Sinnenfeindlichkeit der Revolutionäre wider. Auch das gelungene Kostüm des Organisationsleiters Borja - zu kurze Jacke, Hochwasserhosen, lange Haare und Bart – verweist darauf, dass es den Revoluzzern äußerlich nur um die Sache ging.
„Es hat uns sehr gut gefallen, ein starkes Thema, aber das Hin und Her zwischen Liebe und Hass kann man nachvollziehen“ kommentierten Jasper Michelsen (19) und Bennet Veldes (18) aus Kiel.



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