Kabarett im Statt-Theater : Postbeamter als besondere Marke

Hans-Herrmann Thielke fegte beim Thema Filialrettung in Neu Zarrentin mit postgelbem Umhang über dem spießigen Outfit mit Pullunder über die Bühne.
Foto:
Hans-Herrmann Thielke fegte beim Thema Filialrettung in Neu Zarrentin mit postgelbem Umhang über dem spießigen Outfit mit Pullunder über die Bühne.

Der Comedian Hans-Herrmann Thielke unterhielt sein Publikum im ausverkauften Statt-Theater mit Geschichten aus dem Alltag.

shz.de von
12. Februar 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Am Sonnabend stand Hans-Hermann Thielke mit seinem Programm „Läuft bei mir!“ auf der Bühne des Statt-Theaters. Und es lief an diesem Abend: Für Hans-Hermann Thielke, für das Publikum und für das Statt-Theater, das mit 180 Besuchern komplett ausverkauft war.

Der Kabarettist zeigte sich glänzend aufgelegt und bot Unterhaltung vom Feinsten. Mit leiser Ironie und seiner Art, Sätze oft nicht auszuformulieren und die Vollendung den Zuschauern zu überlassen, sorgte er für urkomische Momente. Wenn schon die Ankündigung, einen Witz zu erzählen und das kurze Schweigen danach für Lacher sorgt, sagt das schon einiges über die Qualität des Künstlers aus. Über fast anderthalb Stunden unterhielt der ehemalige „Postbeamte im mittleren nichttechnischen Dienst“ die Zuschauer mit Geschichten aus dem Post- und sonstigen Alltag. Von der Partnersuche und dem Ärgernis um eine Kontaktanzeige, die wegen mangelnden Barvermögens aufgrund des Kaufes von Teppichschaum nicht in gewünschter Länge erscheinen konnte, über das sachgemäße Befeuchten einer Briefmarke ohne das Risiko einer Durchfeuchtung bis hin zum Chaos, das im Hauptpostamt Itzehoe durch einen Stromausfall ausgelöst wurde, reihte sich eine komische Geschichte an die andere. So erfuhren die Zuschauer auch, dass der Briefkasten im Fachjargon der Post als „kleinste unbewohnte Einrichtung mit durchgehenden Öffnungszeiten“ deklariert wird.

Auch die Bahn bekam ihr Fett weg. Diese musste Hans-Hermann Thielke in Anspruch nehmen, nachdem sein Ford Fiesta von einem Marder lahmgelegt und von einem Naturfreund aus der Nachbarschaft per einstweiliger Verfügung zum Artenschutzgebiet erklärt wurde. Hans-Herrmann Thielke sinnierte dann über die Möglichkeit einer Räumungsklage, verwarf diese aber wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg.

War er im ersten Teil schon ausgesprochen unterhaltsam, so lief der Kabarettist im zweiten Teil zur Höchstform auf und riss mit seiner Mimik, Gestik und weiteren Geschichten die Zuschauer mit. Ganz groß sein Auftritt als Darsteller aus einem fiktiven Post-Musical. Die Geschichte handelt von der drohenden Schließung der Poststelle in Neu Zarrentin, die nur durch den Einsatz des Jungzustellers Torsten gerettet werden kann. Wie Hans-Hermann Thielke dann mit einem postgelben Umhang über dem spießigen Outfit mit Pullunder und kleinkarierter Hose als Musicaldarsteller über die Bühne fegte, war grandios.

Ausgesprochen unterhaltsam auch seine Erklärung über den Weg der Gedanken vom hinteren Teil des Gehirns an den Ohren vorbei („die letzte Möglichkeit zu hören, was man sagen will“) bis zum Mund, dem diese dann entweichen.

Das Resümee dieses Abends: Es hat sich gelohnt – läuft!

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen