Neumünster : Postbank-Kundin kämpft um ihr Geld

Hier begann der Alptraum: Cornelia Jockenhövel und ihr Mann Manfred Weßling  vor der Postbank an der Friedrichstraße. Foto: Bluhm
Hier begann der Alptraum: Cornelia Jockenhövel und ihr Mann Manfred Weßling vor der Postbank an der Friedrichstraße. Foto: Bluhm

Cornelia Jockenhövel aus Neumünster hat durch spekulative Fonds 240.000 Euro verloren. Sie vertraute einem Postbank-Finanzberater. Mit Mitstreitern und einem Hamburger Anwalt kämpft sie um ihr Recht.

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02. Januar 2013, 10:01 Uhr

Neumünster | Eigentlich wollte Cornelia Jockenhövel (61) bei der Postbank nur kurz die aktuellen Konditionen für Tagesgeld erfragen. Aber aus der kurzen Nachfrage wurden mehrere Beratungstermine. Nach deren Ende hatte die frühpensionierte Lehrerin hochspekulative Schiffs- und Lebensversicherungsfonds für rund 230.000 Euro gekauft und einen Kreditvertrag über rund 300.000 Euro abgeschlossen.
"Ich weiß selbst nicht, wie mir das passieren konnte - aber es klang alles so einleuchtend", schimpft die robuste Ex-Lehrerin heute über sich selbst. Cornelia Jockenhövel ist eine von mittlerweile über 100 ehemaligen Kunden, die sich von der Postbank an der Friedrichstraße über den Tisch gezogen fühlen. Mit Mitstreitern und dem Hamburger Anwalt Dr. Arne Heller will sie für ihr Recht kämpfen.

Anwalt verklagt die Postbank

Nach der Postbank Finanzberatung AG, einem Tochterunternehmen der Postbank, will der Jurist Heller jetzt auch die Postbank selbst wegen Betrugs und Verletzung des Datenschutzes belangen. Bei der Staatsanwaltschaft in Bonn hat seine Kanzlei Strafanzeige gegen den Postbank-Vorstand und den Aufsichtsrat eingereicht. Angehängt sind der Klageschrift 51 Fälle von Mandanten, die sich von der Postbank geprellt fühlen. Nach eigenen Angaben vertritt Hellers Kanzlei inzwischen die Interessen von rund 100 ehemaligen Postbank-Kunden überwiegend aus dem Raum Neumünster, die insgesamt 18 bis 20 Millionen Euro verloren haben sollen.
Dabei hatte für Cornelia Jockenhövel alles so vielversprechend begonnen: Nach ihrer Rückkehr aus Spanien, wo die Pensionärin mehrere Jahre gelebt hatte, wollte sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Manfred Weßling (71) irgendwo an der Küste eine neue Heimat aufbauen. Als Basis sollten Ersparnisse und eine Erbschaft von der Mutter dienen. Das passende Haus nahe Lübeck war bald gefunden, mit der richtigen Finanzierung sollte es gut zu schaffen sein, malte sich das Rentnerpaar aus.

"Das ist doch fast staatlich, also sicher"

Tatsächlich bekam Cornelia Jockenhövel in der Postbank eine solide Kreditfinanzierung angeboten. Lukrativer sei allerdings ein anderer Weg, schlug der Berater vor: Die Pensionärin, die einen Großteil der Kaufsumme hätte bar bezahlen können, sollte ihr Geld lieber in ertragreiche Fonds stecken, das Haus selbst über Kredit finanzieren. Mit den Ausschüttungen aus den Fonds sollten dann die Kreditzinsen und später die restliche Kreditsumme abgelöst werden. Die Postbank-Kundin sah keinen Grund zum Misstrauen: Die versprochene Rendite von "für gewöhnlich" sechs bis acht Prozent erschien ihr "attraktiv, aber nicht unrealistisch". Von möglichen Totalverlusten sei damals nie die Rede gewesen, versichert Jockenhövel. Vor allem aber: "Ich saß doch bei der Postbank, nicht in einer Zockerbude - das ist doch fast staatlich, also sicher."
Das allerdings war ein Trugschluss, denn tatsächlich wurde Cornelia Jockenhövel nicht von einem Angestellten der Postbank, sondern einem Mitarbeiter der posteigenen Postbank Finanzierung AG beraten. Und der lebt in erster Linie von den Provisionen der von ihm verkauften Finanzprodukte. "Wie sollte ich das ahnen?", fragt die Frühpensionärin und klagt an: "Der Mann konnte mein Konto anlegen, umbuchen, meine Kundendaten am Computer aufrufen und eine Visitenkarte mit Postbank-Adresse vorlegen. Da fragt man doch nicht, ob er tatsächlich Mitarbeiter der Bank ist, in der man sitzt."

Ein Verlust von 300.000 Euro

Als besonders perfide empfindet Cornelia Jockenhövel heute, dass ihr Berater immer wieder gezielt den Hinweis auf die "eher konservativ ausgerichtete Postbank-Kundschaft" ins Gespräch eingebunden hat. Wollte er eine sicherheitsorientierte Anlage vorgaukeln?
Rund 30.000 Euro hat Cornelia Jockenhövel an Ausschüttungen aus ihren Fonds erhalten, aber inzwischen sind die Papiere wertlos. Rechnet sie die rund 70.000 Euro Kreditzinsen hinzu, die sie für einen eigentlich überflüssigen Hauskredit bislang gezahlt hat, kommt sie auf Verluste von rund 300.000 Euro. Die Erbschaft von der Mutter ist verbraucht, die Ersparnisse ebenso. "Wir leben von 1700 Euro Rente", rechnet die Pensionärin vor. Nur weil ein guter Freund mit eingezogen ist, lässt sich das kreditfinanzierte Haus bei Lübeck halten. "Noch", wie Cornelia Jockenhövel mit einer Mischung aus Frust und Bitternis betont: "Ich habe Angst um unser Haus - und unsere Zukunft."

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