Boostedt : Pop- und Filmmusik in der Kaserne

Sie sind die ersten in Schleswig-Holstein: Einige von fast 30 Hobbymusikern, die zusammen den ersten Reservistenmusikzug des Landes bilden, haben sich zum Foto versammelt. Das Orchester soll noch wachsen.
Sie sind die ersten in Schleswig-Holstein: Einige von fast 30 Hobbymusikern, die zusammen den ersten Reservistenmusikzug des Landes bilden, haben sich zum Foto versammelt. Das Orchester soll noch wachsen.

Die erste Reservistenband des Landes probt in Boostedt. Die meisten Musiker sind Zivilisten.

shz.de von
07. März 2018, 15:04 Uhr

Boostedt | Ob die Bundeswehr zurück in die Rantzau-Kaserne kommt, ist bisher ungewiss; sicher ist aber, dass die Bundeswehr in Boostedt ihren ersten Reservistenmusikzug von Schleswig-Holstein proben lässt.

Und deshalb tummeln sich neuerdings alle zwei Wochen ganz unterschiedliche Menschen auf militärischem Gebiet. Ob alt oder jung, Frau oder Mann, mit langem, kurzem oder gar keinem Haar, ob mit Tuba oder Geige – bisher sind knapp 30 Hobbymusiker beim Reservistenmusikzug dabei. Aber längst nicht alle sind Soldaten oder Reservisten – im Gegenteil.

„Bisher sind hier überwiegend Zivilisten“, sagt Christoph Merkel. Der 35-Jährige ist der Leiter des Orchesters und hat es zusammen mit seiner Frau Victoria (36) gegründet. Beide leben in Heidmühlen, betreiben dort eine Musikschule und einen Chor und haben mit dem Dienstgrad Maat den aktiven Dienst bei der Bundeswehr beendet. Mit dem Aufbau der „Reservistenband“, so der Name der musikalischen Truppe, wollen sie Menschen zusammenbringen, die Freude am Musikmachen haben.

Zugleich möchten sie aber auch für Verständnis und Wertschätzung von Soldaten werben, wie Christoph Merkel schildert: „Musik kann eine Brücke bauen zwischen Soldaten und Zivilisten. Es wäre schön, wenn Berührungsängste und Vorurteilen gegenüber Soldaten so abgebaut werden.“ Wichtig ist ihm auch der Zusammenhalt unter den Musikern: „Die Kameradschaft steht im Vordergrund.“

Die fünfte Probe hat gerade stattgefunden, und bisher sind insgesamt knapp 30 Hobbymusiker aus Neumünster und dem Umland dabei. Es gibt Klarinetten, Trompeten, Posaunen, Saxofonisten, Geiger, Gitarristen, einen Schlagzeuger und einen Tubaspieler. Christoph Merkel wünscht sich noch viele Streicher und Bläser mehr: „Ein sinfonisches Blasorchester ist das Ziel.“

Das Repertoire ist modern, gespielt wird Pop- und Filmmusik. „Mit dem Radetzky-Marsch lockt man kaum jemanden an“, schmunzelt der Amateur-Pianist Christoph Merkel. Um bei der Band mitzumachen, gibt es nur zwei Voraussetzungen: Man sollte Grundkenntnisse seines Instruments haben und muss dem Verband der Reservisten beitreten. Für 30 Euro Jahresbeitrag bekommen die Mitspieler ihre Fahrtkosten zu den Proben erstattet und kriegen auch die teuren Notenhefte bezahlt.

Karin Schlüer (63) und Inge Kock (59) aus Neumünster hatten mit der Bundeswehr vorher nichts am Hut, aber nun sind sie bei den Reservisten und finden das Musikprojekt großartig. „Ohne Musik geht gar nichts. Ich freue mich sehr, wieder in einem Orchester spielen zu können“, meinte Inge Kock. Beide spielen seit etwa 50 Jahren Saxofon und waren früher auch im Mädchen-Musikzug Neumünster. Ihr nächster öffentlicher Auftritt steht eventuell schon an: Wenn die Proben gut laufen, spielt die „Reservistenband“ am 29. April auf dem Großflecken in Neumünster beim Tag der Reservisten.

Die nächste Probe findet statt am Dienstag, 13. März, um 20 Uhr. Anmeldung über Tel. 0 43 20 / 58 16 14 oder www.reservisten-musik.de.


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