zur Navigation springen

Anti-Flüchtlings-Demo : Polizei verhindert Zusammenstöße

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Großeinsatz in der Innenstadt und in Ruthenberg sicherte am Sonnabend die Anti-Flüchtlings-Kundgebung sowie die Gegendemonstration.

von
erstellt am 23.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die Taktik der Polizei ist aufgegangen: Ein starkes Aufgebot mit Beamten aus dem ganzen Land sicherte am Sonnabendnachmittag über Stunden eine Anti-Flüchtlings-Kundgebung mit lediglich 28 Teilnehmern auf dem Ruthenberger Markt. Dem gegenüber stand allerdings eine Überzahl aus 230 Gegendemonstranten, die sich ab 13 Uhr rund um den Veranstaltungsort postiert hatten. Mit Reden, Musik, Rufen und Trillerpfeifen versuchten sie, die Reden der Flüchtlingsgegner zwei Stunden lang zu übertönen. Zu Zusammenstößen zwischen den beiden Gruppen kam es nicht. Es gab lediglich eine Festnahme.

Bereits kurz nach 12 Uhr waren die Gegendemonstranten vom Bündnis gegen Rechts sowie linke Aktivisten aus Hamburg, Lübeck und Kiel nach einer kurzen Kundgebung vom Bahnhof aus mit Transparenten quer durch die Innenstadt Richtung Ruthenberg gezogen. Über den Kuhberg ging es zum Großflecken, wo mancher Wochenmarkt-Besucher verwundert stehen blieb, um den Zug zu beobachten.

Vor der Erstaufnahmeeinrichtung am Haart stoppte der Zug. Dort wurden die Botschaften der Demonstranten kurz auf Arabisch zusammengefasst. Mehrere Flüchtlinge verfolgten das Geschehen interessiert am Zaun des Areals. Anschließend zogen die Gegendemonstranten durch die Nolde- und Slevogtstraße weiter in Richtung Ruthenberger Markt. Zahlreiche Anwohner schauten sich das Geschehen in ihrem Wohnviertel vom Fenster oder Vorgarten aus an.

Am Ruthenberger Markt wartete bereits eine kleine Gruppe Flüchtlingsgegner, darunter mehrere bekannte Rechtsradikale aus Norddeutschland. Kurz nach 13 Uhr rollten sie ihre Transparente aus und begannen mit Reden gegen Flüchtlinge, die Medien und die Bundesregierung. Eigentlich hatten sie ihre Kundgebung erst eine Stunde später starten wollen. Doch dann hatte der Anmelder die Veranstaltung kurzfristig vorverlegt und diese Botschaft auch auf Facebook verbreitet.

Weil die Polizeikräfte auch um 13 Uhr schon in ausreichender Zahl vor Ort waren, ließen Einsatzleitung und Ordnungsamt die Flüchtlingsgegner gewähren. Doch Verlängerung gab es für sie nicht. Statt um 15 Uhr wurde die Kundgebung dann auch eine Stunde früher, um 14 Uhr, beendet.

Mehr als zwei Stunden lang versuchten die Gegendemonstranten, die Botschaften der Rechten immer wieder zu übertönen. Zusammenstöße zwischen beiden Gruppen gab es Dank der Polizeiabsperrung nicht. Stattdessen lieferten sich die Kontrahenten wüste Beschimpfungen und tauschten beleidigende Gesten aus.

Nach der Kundgebung sicherte die Polizei die Abreise der Flüchtlingsgegner, indem sie die Gruppe über die Straße Am Geilenbek zu ihren Autos auf dem Parkplatz an der Gadelander Schule begleitete.

Es gab lediglich eine kurze Rangelei und eine Festnahme, als ein Lübecker (25) aus dem linken Spektrum nach Ende der Veranstaltungen an der Noldestraße die Polizeiarbeit behinderte. Laut Polizeisprecher Rainer Wetzel stand der junge Mann „mit 2,9 Promille erheblich unter Alkoholeinfluss“. Er wird sich jetzt einem Strafverfahren stellen müssen. Die Bundespolizei überwachte die An- und Abreise der Versammlungsteilnehmer.

Die Veranstalter äußerten sich in ihrer rechtslastigen Facebook-Gruppe gestern unzufrieden über die Teilnehmerzahl: „Leider haben die Patrioten in Neumünster immer noch nicht verstanden, was die Stunde geschlagen hat, anders ist deren Ausbleiben nicht zu erklären.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert