Scholtz kaserne Neumünster : Politik kritisiert Kostenexplosion

Es sieht trostlos aus auf dem Gelände der ehemaligen Scholtz-Kaserne. Die Gebäude sind von Vandalismus gezeichnet.
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Es sieht trostlos aus auf dem Gelände der ehemaligen Scholtz-Kaserne. Die Gebäude sind von Vandalismus gezeichnet.

Abriss der Scholtz-Kaserne wird mit fünf Millionen Euro veranschlagt. CDU fordert Prüfung der Wirtschaftlichkeit.

shz.de von
09. Februar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Zentrale Lage, gute Verkehrsanbindung: Das rund sieben Hektar große Areal auf dem Gelände der ehemaligen Scholtz-Kaserne am Haart eignet sich laut Stadtbaurat Thorsten Kubiak ideal für Wohnungsbau. Bevor jedoch ein Bebauungsplan aufgestellt werden kann, muss das Gelände hergerichtet werden. Der Planungs- und Umweltausschuss sprach sich am Mittwochabend aber dafür aus, eine Entscheidung über die Bereitstellung der dafür notwendigen fünf Millionen Euro zu vertagen.

Die baufälligen Werkstätten, Lagerhallen sowie die Garagen für die Kettenfahrzeuge und Lkw sollen abgerissen werden. Außerdem muss der Grundwasserschaden bei der damaligen Panzer-Tankstelle saniert, der Oberboden ausgetauscht, die Altlasten entsorgt und die Bäume gerodet werden.

Vertagt wurde das Thema aus zwei Gründen. Der CDU-Fraktion fehlt eine Entscheidungsgrundlage. „Wir können nicht einfach den fünf Millionen Euro zustimmen, ohne zu wissen, was dabei raus kommt“, erklärte Thomas Michaelis. Er stellte einen Antrag, das Gelände zunächst nicht herzurichten. „Die schlichte Tatsache, dass die Stadt das Gelände gekauft hat, ist noch kein Grund für eine schnelle Herrichtung, zumal die Bauwirtschaft derzeit mit Neubauten und Sanierungsarbeiten ausgelastet ist“, erklärte er. Er forderte, zunächst die Wirtschaftlichkeit zu prüfen und dabei auch die Erschließungskosten und Planungskosten zu berücksichtigen.

Der zweite Grund, den alle Fraktionen monierten, war die enorme Kostenexplosion. „Warum wird das Vorhaben so viel teurer als noch vor fünf Jahren, als 1,5 Millionen dafür prognostiziert wurden?“, fragte Franka Dannheiser (SPD). Bereits im Hauptausschuss erklärte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras, dass man damals noch nicht genau wusste, welche Altlasten im Boden stecken. „Das war eine erste Kostenschätzung. Außerdem sind zu der reinen Altlastenentsorgung nun auch die Abbrucharbeiten dazugerechnet worden“, erklärte Ute Obel, Fachdienstleiterin Natur und Umwelt. Hinzu komme die allgemeine Kostensteigerung. 660 000 Euro sind unter anderem für vorgezogene Artenschutz und Sicherungsmaßnahmen sowie einen Gutachter veranschlagt. Die Bauverwaltung hoffe auf Fördermittel des Landesprogramms zur Wiedereingliederung von Konversionsflächen. Bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten könnten darüber finanziert werden. Michaelis forderte, die Entscheidung über die Fördermittel abzuwarten. Mit der Entscheidung wird in vier bis sechs Monaten gerechnet.

Die Verwaltung soll bis zum nächsten Planungsausschuss noch mehr Details zur Planung und den Kosten liefern. Sollte die Förderung bewilligt werden und die Politik dem Vorhaben zustimmen, könnte im Winter mit dem Abbruch begonnen werden. Kubiak hofft, dass mit der Entwicklung des Kasernengebiets ein Großteil des Wohnraumbedarfs abgedeckt werden könne. Das Wohnraumversorgungskonzept, an dem derzeit gearbeitet wird, prognostiziert ein Einwohnerplus bis 2035 von bis zu 6,7 Prozent. Daraus ergebe sich ein Bedarf von 600 bis 900 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern und 900 bis 1500 in Mehrfamilienhäusern.

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