Brausebude: : Politik ist auf dem Rückzug

Die Brausebude auf der Kieler Brücke steht zurzeit leer. Der Bauausschuss würde sie gern in die Teichuferanlagen verlegen.
Die Brausebude auf der Kieler Brücke steht zurzeit leer. Der Bauausschuss würde sie gern in die Teichuferanlagen verlegen.

Brausebude umsetzen und Döner-Imbiss abreißen? CDU und SPD sind doch skeptisch. Der Rat muss entscheiden.

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06. Dezember 2014, 05:30 Uhr

Neumünster | In Sachen Brausebude und Imbiss am Teich ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Möglicherweise wird der Antrag vor dem abschließenden Votum in der Ratsversammlung am Dienstag noch zurückgezogen. CDU und SPD reagierten gestern überrascht auf die scharfe Kritik an dem Vorschlag, die Brausebude vor Karstadt und den Döner-Imbiss an der Straße Am Teich abzureißen, um ein freies Sichtfeld zwischen der Holsten-Galerie und dem Großflecken zu haben.

Einen entsprechenden Änderungsantrag hatten Thomas Michaelis (CDU), Axel Westphal (SPD) und Thomas Krampfer (Grüne) im Bauausschuss in Ergänzung eines von Michaelis vorgestellten Stadtentwicklungskonzeptes eingebracht (der Courier berichtete). Sie lösten damit bei vielen Bürgern Unverständnis und Ablehnung aus. In Leserbriefen gibt es harte Kritik (siehe Seite 12), und auf der Facebook-Seite des Couriers ist das Echo vernichtend: „Das mit der Sichtachse ist ausgemachter Schwachsinn. Außerdem: Erst wird die Brausebude für viel Geld nachgebaut und dann abgerissen?“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer beschwerte sich: „Bei gesundem Menschenverstand verhält es sich wohl genau umgekehrt: Der immer gut besuchte Ali-Baba-Grill wird eher Menschen sowohl in Richtung Holsten-Galerie bzw. von der Holsten-Galerie aus in Richtung Großflecken locken. Also mal wieder eine komplett sinnfreie Diskussion!“ Die Partei Die Linke hatte die Pläne ebenfalls scharf kritisiert (wie berichtet).

„Die Reaktionen waren heftiger, als wir uns das vorgestellt haben“, gab Axel Westphal gestern zu. Darüber müsse in der Fraktion gesprochen werden. Auch CDU-Bauausschuss-Mitglied Helga Bühse zeigte sich erstaunt: „Es gibt Klärungsbedarf am Montag in der Fraktion. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Antrag zurückgezogen wird“, sagte sie. Nur Thomas Krampfer von den Grünen bleibt dabei: „Wenn sich tatsächlich ein Besucher der Holsten-Galerie auf den Gänsemarkt verirrt, sieht er als erstes eine Döner-Bude. Das ist psychologisch völlig falsch.“

Gerüchte, wonach die Stadt oder ECE als Betreiber der Holsten-Galerie die beiden Gebäude aus dem Blickfeld haben wollten, wiesen beide Seiten gestern zurück. „Das hat nichts mit uns zu tun“, erklärte Projektmanager Marco Janko. ECE störe weder der Imbiss noch die Brausebude. Stadtsprecher Stephan Beitz machte ebenfalls deutlich, dass nicht die Verwaltung, sondern die drei Antragsteller (sowie die Mehrheit des Bauausschusses) den Abriss wünschen. „Sollte die Ratsversammlung dem Antrag zustimmen, wird die Stadt einen Alternativ-Standort für die Brausebude suchen“, so Beitz.

Kommentar von Thorsten Geil

Freie Fahrt ins Schwarzbuch

Es gibt selbst in Neumünster Dinge, an denen so gut wie nie jemand herummeckert. Dazu gehörte bislang die Brausebude. Die war  besonders wegen der historischen Vorbilder auf dem Großflecken beliebt; dass sie derzeit keinen Pächter hat, ist eine andere Geschichte. Nun ploppt auf einmal diese Idee hoch, die Bude verschämt hinter den Bäumen zu verstecken und den Döner am Teich abzureißen – wegen der Sichtachse vom ECE zum Großflecken. War bei dieser Entscheidung überall der gesunde Menschenverstand eingeschaltet? Die Brausebude ist schön und ein Stück Alt-Neumünster. Und es gibt auch wahrlich unattraktivere Gebäude als das Döner-Häuschen, das gerade für zigtausend Euro saniert und ausgebaut wird. Ein solcher Beschluss ist ein Freifahrtschein in das nächste Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes.

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