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Neues Tierheim in Wasbek : Politik fordert Kehrtwende für Tierauffangstelle

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Es gibt Streit um mangelnde Kommunikation, eingereichte Papiere und einen sechsstelligen Betrag für die Ablöse der Gebäude in der Tierauffangstelle.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2017 | 07:45 Uhr

Neumünster | In Neumünster herrscht Katzenjammer. Eigentlich wollte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras am Mittwoch einen Schlussstrich in Sachen Fundtiere ziehen und eine Vereinbarung mit dem neuen Tierheim in Wasbek verkünden. Doch CDU und SPD sind dem Verwaltungschef nach den Fraktionssitzungen am Montagabend ins Gehege gekommen.

Mit den Schwierigkeiten um die Tierauffangstelle rumort es auch in der Lokalpolitik. Der Oberbürgermeister Tauras steckt damit in der politischen Zwickmühle.

Seit die Stadt im August 2016 das Tierheim aufgrund von vielen Mängeln geschlossen hat, werden Fundtiere derzeit zunächst von der Feuerwehr in einen Container ins Gefahrenabwehrzentrum gebracht und danach vom Tierheim Kiel abgeholt. Der Vertrag läuft jedoch Ende des Jahres aus. In einer Mitteilung hatte Tauras den Fraktionsvorsitzenden nun von der bevorstehenden Einigung mit dem Tierheim Wasbek berichtet und um Rückendeckung gebeten. Die Stadt kann zwar in dieser Angelegenheit einen Vertrag selbst abschließen, Tauras aber wollte die Zustimmung der Ratsfraktionen. „Mir ist es als Oberbürgermeister wichtig, die Selbstverwaltung einzubinden, und deshalb erfolgte regelmäßig eine umfassende Information der Fraktionsvorsitzenden“, begründete er seine Entscheidung.

Das neue Tierheim in Wasbek Anfang des Jahres: Mittlerweile hat sich dort viel getan. Der Betrieb ist genehmigt und soll in Kürze aufgenommen werden.
Das neue Tierheim in Wasbek Anfang des Jahres: Mittlerweile hat sich dort viel getan. Der Betrieb ist genehmigt und soll in Kürze aufgenommen werden. Foto: Archivfoto
 

Doch Gerd Kühl (CDU) und Volker Andresen (SPD) lehnten die Pläne ab. Sie fühlen sich noch immer nicht ausreichend informiert. Vor allem die CDU fordert nun eine Kehrtwende von der Verwaltung, bringt wieder den Betrieb der alten Tierauffangstelle durch den Tierschutzverein ins Spiel. Begründung: Nach der Kündigung des Erbpachtvertrags durch die Stadt muss sie eine Entschädigung an den Tierschutzverein für die Gebäude auf dem Gelände zahlen. „130.000 Euro stehen dem Verein zu“, sagt Volker Andresen. Das sei Geld, das der Neumünsteraner Steuerzahler zu zahlen habe, fügt Gerd Kühl an.

Er ist zudem sauer auf den OB, weil dieser angeblich entlastende Unterlagen vom Tierschutzverein nicht erhalten haben will. „Die Sachen habe ich aber zum Teil selbst bei ihm abgegeben“, so Kühl. Auch der CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Wolf Rüdiger Fehrs betont, der Tierschutzverein habe zumindest große Teile der zur Schließung führenden Mängelliste abgearbeitet. Das müsse die Verwaltung honorieren. „Neumünster braucht als Oberzentrum eine eigene Tierauffangstelle“, sagt er. Tauras hingegen hatte im März auch nach der Wahl des neuen Vorstandes mit Nachdruck erklärt, der Tierschutzverein sei für ihn kein Gesprächspartner mehr.

Am Mittwoch hörte sich das offenbar unter dem Druck der beiden großen Fraktionen anders an: „Aus dem Kreise der Fraktionsvorsitzenden habe ich Signale erhalten, dass eine Lösung innerhalb des Stadtgebiets präferiert wird. Deshalb möchte ich in der nächsten Woche weitere Gespräche führen, um sicherzustellen, dass wirklich alle Alternativen auch innerhalb der Stadt auf Machbarkeit abgewogen und geprüft sind“, teilte er mit.

Auch FDP und BFB zeigten am Mittwoch eine deutliche Tendenz für den Betrieb der Tierauffangstelle durch den Tierschutzverein. Jörn Seib (BFB) erklärte etwa, seine Fraktion habe eine entsprechende Petition unterzeichnet. „Es müssen von einigen Personen Eitelkeiten abgebaut werden“, meinte Reinhard Ruge (FDP), ohne Namen zu nennen.

Einzig die Grünen halten sich aus dem Thema raus. Für den Fraktionsvorsitzenden Thomas Krampfer muss Tauras die Sache entscheiden. Er übte am Mittwoch deutliche Kritik an der Haltung der CDU: „Tauras wurde durch die Union, die FDP und uns zum Oberbürgermeister. Doch in letzter Zeit zeigt sich, dass er auf die Loyalität der CDU nicht mehr setzen kann. Das wird auch bei diesem Thema wieder ganz deutlich, und das ist sehr bedauerlich.“

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