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Pflegenotstand auch in Neumünster : Pflegekräfte am FEK arbeiten am Limit

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Pflegeleitung und Betriebsrat am Friedrich-Ebert-Krankenhaus sind sich mit der Gewerkschaft Verdi einig: Die Politik muss etwas gegen den Notstand in der Pflege tun.

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erstellt am 25.Okt.2017 | 07:54 Uhr

Neumünster | Wie in vielen Kliniken arbeiten auch am Friedrich-Ebert-Krankenhaus die Pflegekräfte an der Grenze der Belastbarkeit. Da sind sich Pflegedirektor Christian de la Chaux von der Arbeitgeberseite, der Betriebsratsvorsitzende Jörg Klaenhammer und Imke Wriedt von der Gewerkschaft Verdi einig. Auch im FEK beteiligten sich gestern Mitarbeiter an den bundesweiten Aktionen in Krankenhäusern.

Die Gewerkschaft fordert ein Sofortprogramm für die Pflege und sieht hier vor allem den Gesetzgeber mit einer gesetzlichen Mindestpersonalbemessung in der Pflicht. Bundesweit fehlten 120  000 Pflegekräfte, in Schleswig-Holstein 4000 bis 4500, so Imke Wriedt. „Die Belastung ist hoch, auch schon bei den Schülern, die hier mit 16 Jahren anfangen“, sagt Christina Storm von der Pflegeschule am FEK.

Das spüren bei steigenden Patientenzahlen auch die etwa 800 Pflegekräfte. Es ist schwer, offene Stellen zu besetzen. Und wegen der dünnen Personaldecke schmerzt jede unbesetzte Stelle doppelt. Im Sommer waren es 23, jetzt sind es zehn Stellen. Die Fluktuationsrate liegt zwischen ein und zwei Prozent. De la Chaux: „Das sind zehn bis 15 Mitarbeiter, die unser Haus verlassen wegen der Arbeitsbedingung. Es kommen auch einige wieder, weil sie sehen, dass es anderswo nicht besser ist.“

Ein Gradmesser für die gestiegene Belastung ist der um 50 Prozent gestiegene Krankenstand. „2005 lagen wir bei 5,6 Prozent, jetzt bei 9 Prozent“, sagt de la Chaux. Am FEK versucht man seit vier Jahren mit einem Ausfallmanagement gegenzusteuern. Ein Faktor ist die Vergütung: Mitarbeiter können mit freiwilligen Zusatzdiensten oder sogenannten Standby-Diensten Extra-Geld verdienen. Andere, etwa alleinerziehende Mütter, arbeiteten in einem Pool von Mitarbeitern, die sich ihre Arbeitszeiten frei und verlässlich aussuchen dürfen. „Mitarbeiter werden dadurch weniger aus ihrem Dienstfrei gerufen. Wir stoßen dennoch an unsere Grenzen“, sagt Christian de la Chaux und räumt ein: „Das ist die Verwaltung des Mangels.“

Anzeigen einer Gefährdung und psychischen Überlastung nähmen zu, sagt der Betriebsratsvorsitzende Jörg Klaenhammer und sieht es wie de la Chaux: „Die Versäumnisse der Politik bei der Krankenhausfinanzierung fallen uns heute auf die Füße.“ Die Krankenhäuser hätten tarifliche Lohnsteigerungen selbst erwirtschaften müssen und darauf mit Personalkürzungen reagiert. De la Chaux: „Das System wurde rigoros kaputt gespart.“

Man müsse daher schauen, wie man die Attraktivität der Pflegeberufe steigern könne, um Nachwuchs und Wiedereinsteiger zu finden und die Beschäftigten im Beruf zu halten. Verdi-Frau Imke Wriedt: „Wir hören fast täglich von Pflegekräften, die uns anrufen und sagen: ‚Ich kann nicht mehr‘. Es gehen ganz viele Kräfte in Teilzeit, um überhaupt arbeitsfähig zu bleiben.“

Für den Betriebsratsvorsitzenden Jörg Klaenhammer ist klar: „Die Pflege ist am Limit, für mich ist es schon 5 nach 12 – auch im FEK. Wir brauchen Hilfe und die muss von der Politik kommen.“

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