zur Navigation springen

Gesundheitswesen : Pflege-Nachwuchskräfte sind begehrt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Schule für Pflegeberufe am FEK feierte gestern den 60. Geburtstag / Die Anforderungen an das Personal sind komplexer geworden

shz.de von
erstellt am 29.Jun.2016 | 11:45 Uhr

Neumünster | Sie müssen belastbar und mitfühlend sein, aber auch professionell mit schwierigen Situationen umgehen können: Die Anforderungen an den Beruf des Pflegers sind komplexer geworden. „Von der Persönlichkeit müssen sie mit beiden Beinen geerdet sein und vor allem Spaß daran haben, mit Menschen umzugehen“, sagt Regine Gilgen, stellvertretende Oberin der DRK-Schwesternschaft Ostpreußen. Sie und Rainer Loose, Leiter der Schule für Pflegeberufe am FEK, feierten gestern mit 120 Auszubildenden und 14 Lehrkräften das 60-jährige Bestehen der Schule mit einem Sommerfest.

Mit einer Handvoll Azubis fing es an, heute sind es 140 Nachwuchskräfte. Die Schule ist eine der größten landesweit und der größte Ausbildungsbetrieb der Stadt. Eines ist in den sechs Jahrzehnten geblieben: Die Ausbildung dauert drei Jahre. Doch vieles hat sich stark verändert – mit dem Namen fing es an: „Damals hieß der Beruf einfach Krankenschwester, heute Gesundheits- und Krankenpfleger“, sagt Loose.  Inhaltlich haben die fortschreitende Medizin, der zunehmende Anteil älterer Menschen und andere Faktoren den Pflegeberuf von einer Hilfswissenschaft zu einer eigenständigen Profession werden lassen.

Das heißt beispielsweise 2100 theoretische und 2500 praktische Unterrichtsstunden (früher: 500/750). Früher waren Pflegekräfte Assistenten für die Ärzte, heute eigenständig arbeitendes Personal. Unterrichtet werden 950 Stunden reine Pflege; im Gegensatz zu früher gibt es keine Fächer, sondern Lernfelder und exemplarische Patientensituationen, erklärt Loose. Die angehenden Pfleger lernen, was sie bei Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall, Oberschenkelhalsbruch, Magen-Darm-OP, Diabetes, Asthma und vielen anderen Krankheiten erwartet und was zu tun ist. Auch Prävention und Reha gehören zum Stoff. „Pfleger müssen ein enormes Hintergrundwissen haben“, betont Regine Gilgen.  Dementsprechend gibt es deutschlandweit inzwischen 40 Pflege-Studiengänge – vor 60 Jahren gab es keinen einzigen.

Neben dem Fachlichen ist auch der menschliche Kontakt zum Patienten ein wichtiges Element der Pflege. Doch während früher die Kranken 14 Tage im Krankenhausbett blieben, ist die Verweildauer heute durchschnittlich zwei Tage. „Die Kranken sind kränker als früher, aber die Pflegekräfte müssen mit dem immer schneller werdenden Hamsterrad klar kommen und in einer kürzeren Zeit komprimierter den Kontakt aufbauen“, sagt Loose.  Dem trägt der Anteil der Psychologie und Sozialwissenschaften mit 300 Unterrichtsstunden Rechnung, das ist eine Verdoppelung binnen zehn Jahren, sagt Loose.

Wie viele Unternehmen auch kämpft  die Schule um Nachwuchs. „Der Markt ist hart umkämpft“, sagt Loose. Fachlich müssen die Azubis – mit Realschulabschluss – alle möglichen Szenarien kennen und eine Persönlichkeit haben, mit der sie zuhören, mitfühlen, aber auch sich distanzieren können. Auch die Begegnung mit dem Tod gehört zum Alltag. Aber: „Es ist ein toller Job, man kriegt auch viel zurück. Viele betonen, dass sie es als wichtig empfinden zu sehen, wie Menschen gesund werden“, sagt FEK-Sprecherin Maren von Dollen.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen