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Gericht : Pferdehalterin prellte Tierarzt: 600 Euro Strafe

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Amtsrichter schenkte der wortreichen Ausrede der 39-jährigen Angeklagten keinen Glauben

Neumünster | Auch kleine Betrügereien können teuer zu Stehen kommen. Das musste jetzt eine klamme Pferdehalterin erfahren, die im vergangenen Jahr eine Tierärztin um ihr Behandlungshonorar geprellt hatte. Wegen Betrugs verurteilte das Amtsgericht an der Boostedter Straße die Frau zu 600 Euro Geldstrafe. Dumm: Die rechtzeitige Begleichung der Tierarztrechnung hätte sie nur rund ein Viertel der Summe gekostet.

Exakt 153,56 Euro hatte die von der Frau konsultierte Veterinärin der 39-jährigen Neumünsteranerin nach zweimaliger Behandlung des Reitpferdes in Rechnung gestellt. Ihr Problem: Noch kurz vor dem Gang zum Tierarzt hatte die Pferdefreundin eine eidesstattliche Erklärung (heute: Vermögenserklärung) über ihre prekäre Finanzsituation abgegeben, sie wusste also, dass sie die Rechnung nicht bezahlen konnte.

Im Gerichtssaal versuchte die Frau dennoch gut Wetter zu machen: Sie wohne leider in einem Mehrfamilienhaus, aus dessen Briefkästen auch schon mal Post verschwinde, machte die Angeklagte geltend. Die zweite Rechnung habe sie zwar erhalten, „aber da musste ich wegen einer Herzgeschichte dringend ins Krankenhaus“, erklärte die Neumünsteranerin. Zum Glück habe sich die Attacke später als harmlos erwiesen, aber in der Aufregung sei die Rechnung wohl untergegangen, erläuterte sie dem Gericht: „Ich will ganz ehrlich sein, ich hab sie schlicht vergessen!“

Die wortreiche Verteidigung mit eingebautem Mitleidsfaktor erwies sich allerdings als Flop: „Ich glaube Ihnen kein einziges Wort!“, wischte der Richter die Rede der Angeklagten vom Tisch und zitierte aus dem Vorstrafenregister der Pferdefreundin. Danach war die Neumünsteranerin vor gut einem Jahr schon einmal wegen Betrugs verurteilt worden. Der Vorwurf damals: Sie hatte einen Tierarzt mit der Behandlung ihres Pferdes beauftragt, die Rechnungen dafür aber nie bezahlt.

Der Richter verzichtete auf eine weitere Kommentierung, hatte aber schlagartig eine jetzt recht kleinlaute Angeklagte vor sich. „Sie hatten keinen Cent, konnten nicht bezahlen und wussten das auch“, fasste der Richter seine Bewertung des aktuellen Falles zusammen: „So geht das nicht !“

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft würdigte in ihrem Plädoyer zwar den vergleichsweise geringen Schaden zugunsten der Angeklagten, verwies aber zugleich auf die einschlägige Vorstrafe und den klaren Vorsatz der Angeklagten. Sie forderte für die Geringverdienerin eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 20 Euro. Mit Rücksicht auf die familiäre Situation – die Angeklagte ist Mutter dreier Kinder – ermäßigte der Richter den Tagessatz auf 15 Euro.

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erstellt am 20.Feb.2016 | 08:30 Uhr

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