zur Navigation springen

Tierpark : Peter Drüwa legt den Vorsitz nieder

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bei der Mitgliederversammlung der Tierparkvereinigung am 9. März tritt Drüwa nicht mehr an. Er hat den Zoo fast 30 Jahre geprägt.

Neumünster | Fast hätte er die Probezeit in Neumünster gar nicht überlebt. Gerade einmal vier Monate war Dr. Peter Drüwa im Tierpark, als ihn seine Frau und sein damals elfjähriger Sohn Daniel an einem September-Abend des Jahres 1986 aus dem Büro abholen. Es ist dunkel, niemand sonst ist mehr im Park. Auf dem Weg zum Ausgang steht plötzlich ein Wolf vor der Familie. Er ist kurz zuvor aus seinem Gehege ausgebrochen. „Zum Glück wusste ich, dass es ein von Menschen aufgezogenes Tier war. Ich konnte ihn mit Worten beruhigen und mit einem herbeitelefonierten Tierpfleger einfangen“, erinnert sich Drüwa. Knapp 29 Jahre ist das her und nur einer der denkwürdigen Momente in der Arbeit des heute 69-Jährigen. Nach drei Anläufen für den Ruhestand als hauptamtlicher Zoodirektor (der Courier berichtete) geht am 9. März nun tatsächlich eine Ära zu Ende. Drüwa tritt bei der Jahreshauptversammlung nicht mehr für den Vorsitz der Tierparkvereinigung und damit als faktischer Chef des Leitungsduos Verena Kaspari und Viola Effenberger an.

Geboren und aufgewachsen ist Drüwa in Duderstadt (Niedersachsen). Schon als Jugendlicher begeisterte er sich für Wildtiere. Nach dem Biologie- und Sportwissenschafts-Studium in Bonn und dem Staatsexamen 1971 arbeitet er zunächst zwei Jahre als Lehrer am Gymnasium, volontiert dann im Frankfurter Zoo und promoviert 1976 dort über den südamerikanischen Waldhund. „Mein Herz hing immer am Zoo“, sagt er. In Osnabrück wird er nicht nur Zooassistent und stellvertretender Direktor, sondern findet mit Barbara, die in der Zooverwaltung arbeitet, auch seine große Liebe und Ehefrau. 1986 holt ihn der damalige Vorsitzende der Tiergartenvereinigung, Uli Wachholtz, nach Neumünster. Er wird Nachfolger von Günther Schulze. Damit beginnt eine neue Zeitrechnung. Gemeinsam erstellen die beiden einen Masterplan, gehen den Wechsel vom angestaubten und erfolglosen Heimattiergarten mit 95  000 Besuchern zum heutigen modernen, europäisch ausgerichteten Tierpark an. Erfolgreich. Gehege, etwa für die Seehunde, werden im Laufe der Zeit vergrößert, neue Tierarten wie Bären, Affen oder Pinguine eingeführt. Andere, wie Rotfüchse, Dachse oder Hängebauchschweine, verschwinden. Heute kommen in Spitzenjahren 200  000 Besucher.

In den ersten Jahren wird die gesamte Infrastruktur modernisiert. „Viele Gehege waren vermatscht, weil der Boden das Wasser nicht aufnahm. Wir hatten anfangs riesige Baustellen, weil wir den gesamten Untergrund ausgetauscht haben“, erinnert sich Drüwa. Möglich war das nur, weil die Stadt und die heimische Wirtschaft die Einrichtung unterstützten. Immer wieder gibt es auch Projekte mit dem Jugendaufbauwerk, etwa den Bau der Zooschule, die Drüwa etabliert. Das „Grüne Klassenzimmer“ für Schüler wird bis 1996 praktiziert. Dann werden alle Mittel gestrichen. Zwei Jahre zuvor hat die Stadt bereits den Geldhahn abgestellt. Seitdem lebt die Einrichtung von Eintrittsgeldern, Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

2006 übernimmt Drüwa, der bis 2010 auch Berufsschüler unterrichtet, zusätzlich den Vorsitz der Tierparkvereinigung von Gerd Kühl, ist damit quasi sein eigener Chef. „Das war wegen der Neustrukturierungen und der Fülle der Arbeiten nötig und für eine Übergangszeit auch sinnvoll“, sagt er. Unvergessen ist für ihn der kleine Eisbär Knut im Berliner Zoo. Er gehörte vertraglich dem Tierpark. 2009 kommt es zum spektakulären Gerichtsverfahren in der Hauptstadt. 430  000 Euro erhält Neumünster. Das Geld fließt in den Neubau des Eingangshauses (der Courier berichtete). „Das war mein letztes großes Projekt. Der Masterplan vom Anfang ist abgearbeitet“, sagt Drüwa. Künftig wird er nur noch als Besucher in den Tierpark kommen, vielleicht öfter mit seiner Enkeltochter Svea (3). Neben Reisen mit seiner Frau hat er noch einen weiteren Plan: „Ich will ein Lehrbuch für Tierpfleger zusammenstellen.“Wer Drüwas Nachfolger wird, ist offen. Der Vorstand will einen Vorschlag machen, weitere Kandidaten können sich melden. Die Jahreshauptversammlung findet am Montag, 9. März, um 19 Uhr im Bistrorant statt.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 03.Feb.2015 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen