Boostedt : Pastor Lemke verlässt die Gemeinde

Thomas Lemke geht nach 24 Jahren. Hier steht er vor der Boostedter Kirche, an deren Neubau er mitgewirkt hat.
Foto:
Thomas Lemke geht nach 24 Jahren. Hier steht er vor der Boostedter Kirche, an deren Neubau er mitgewirkt hat.

Der Seelsorger der Bartholomäuskirche geht nach Kiel. Bei der Einweihung der neuen Orgel will er auf jeden Fall dabei sein.

von
11. Januar 2018, 08:10 Uhr

Die Bartholomäus-Kirchengemeinde in Boostedt verliert ihren Pastor. Zum Ende des Monats zieht Thomas Lemke nach Kiel und übernimmt dort zusammen mit zwei weiteren Pastoren die Claus-Harms-Gemeinde im Gemeindebezirk Hasseldieksdamm. „Es ist die letzte Chance, eine neue Herausforderung anzunehmen. Außerdem mögen meine Frau und ich Kiel gerne, wir haben uns dort kennengelernt“, sagt Thomas Lemke.

So froh, wie er über die Rückkehr in seine Geburtsstadt auch ist, der 55-Jährige gibt dennoch zu: „Das weinende Auge füllt sich immer mehr, je näher der Abschied rückt.“ Seit dem 15. Dezember 1993 arbeitet er in Boostedt als Pastor, damals hat er Pastor Heinz Wischnewski abgelöst. „Besonders die Menschen hier werden mir fehlen, in zweieinhalb Jahrzehnten hat sich ein großes Netzwerk entwickelt. Man kann kaum über die Straße gehen, ohne ins Gespräch zu kommen. Das Vertrauen, das gewachsen ist, weiß ich sehr zu schätzen“, sagt Thomas Lemke.

Er ist 1962 geboren und in Raisdorf bei Kiel aufgewachsen, eine Schwester, ein Bruder und die Mutter leben immer noch in Kiel. „Meine Eltern haben mich bewusst christlich erzogen“, erklärt er einen der Einflüsse, die ihn zum Theologiestudium bewogen hatten. Das hat er in Kiel, Heidelberg und den USA absolviert. Weltoffenheit und ein Blick über den Tellerrand sind dem vierfachen Vater innerer Antrieb. Daher hat er auch 1999 die kirchengemeindliche Partnerschaft zwischen Boostedt und dem Kongo gegründet, „eine Herzensangelegenheit“, wie er sagt. „ Demokratie ist hart erkämpft, für die Freiheit und den Frieden, die sie mit sich bringt, müssen wir uns immer wieder einsetzen“, so Lemke. Daher war es ihm in seiner Arbeit als Pastor auch immer wichtig, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen: „Ich wollte die Leute nie von oben herab belehren.“

Wenn Familie Lemke ihre gepackten Koffer und Kisten aus dem Boostedter Pastorat verfrachtet hat, kann sie sie im Kieler Pastorat Am Wohl wieder auspacken, denn es gibt eine Residenzpflicht. Mit im Gepäck hat Thomas Lemke dann seine Posaune und Trompete, die er leidenschaftlich gern spielt. Er hat auch den Boostedter Posaunenchor gegründet. Außerdem ist Thomas Lemke in seiner Freizeit gerne durch den Wald gejoggt, und auch den wird er vermissen: „Besonders in Grimms Park mit seinem Buchenwald fand ich es immer schön, aber auch den Blick vom Kirchhof hinunter ins Dorf mochte ich immer gerne.“ Eine besondere Herausforderung in seinem Wirken war der Kirchenumbau, der 2003 beendet wurde. „Die neue Orgel wird das i-Tüpfelchen sein, und wenn sie nach Plan am Pfingstsonntag eingeweiht wird, bin ich auf jeden Fall dabei“, sagt er. Die offizielle Verabschiedung findet jetzt am Sonntag, 14. Januar, mit Propst Kurt Riecke statt, seinen letzten Gottesdienst in der Bartholomäuskirche gibt Thomas Lemke am 21. Januar. Einen neuen Pastor gibt es noch nicht, vertretungsweise werden Hajo Peters aus Wittorf, Andrea Simowski und der Prädikant Ingolf Leykum die Stelle ausfüllen.

Für Boostedt hat Thomas Lemke einen Wunsch: „Ich würde mich freuen, wenn die Bürger sich bewusst darüber werden, dass sie auch zur Kirche gehören, und das Kirche ohne Pflichtgefühl erlebt wird.“

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen