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Holsteinischer Courier

19. August 2017 | 21:28 Uhr

Kirche : Pastor Gottesleben geht nach Hessen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach 16 Jahren in der Bonhoeffer-Gemeinde bekommt der 47-Jährige ab April gleich vier Kirchen – und vielleicht ein E-Bike zum Zwischenfahren.

Neumünster | Was er vermissen wird? „Die Vielfalt an Kollegen. Elf evangelische Gemeinden, die Katholiken, die Baptisten, Adventisten, Neuapostolen und wie sie alle heißen. Die zentrale Lage von Neumünster in Schleswig-Holstein. Und die Weite des Landes.“ Pastor Tobias Gottesleben verlässt die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in Brachenfeld-Ruthenberg und wird im April Pfarrer in Osthessen, genauer gesagt in Solz, Imshausen, Gilfershausen und Mönchhosbach an der Nordspitze des Mittelgebirgszuges Rhön. Sein lachendes Auge überstrahlt dabei das weinende über den Abschied.

Man merkt: Es ist ein Umzug, auf den sich der 47-jährige alleinstehende Theologe freut, sehr sogar. Schon während seines Studiums in Hamburg, Tübingen, Jerusalem und Heidelberg knüpfte er den Kontakt zur Kommunität Imshausen, einer ökumenischen Gemeinschaft, in der Frauen und Männer nach einer christlichen Ordensregel zusammenleben. Diese Kommunität gehört künftig mit zu seiner Gemeinde, soll in die Kirchenarbeit mit eingebunden werden. Und nicht nur das: „Ich bekomme vier Kirchen in den vier Orten, die alle bespielt werden wollen“, sagt Gottesleben, der sich vielleicht ein E-Bike anschaffen will, um von Ort zu Ort zu fahren. Allerdings gehören statt 3600 Gläubige in Neumünster in Hessen nur gut 1200 zu seiner Gemeinde, der Kindergarten hat zwei statt wie hier zehn Gruppen. „Und meine Sekretärin macht nur 1,7 Stunden in der Woche. Hier hatte ich eine mit 16,5“, sagt der gebürtige Göttinger, der als Jüngster von drei Geschwistern in Hamburg aufwuchs und sich als Hansestädter sieht. Übrigens: Sein Name gab keinen Ausschlag für den Berufswunsch. „Ich bin der Erste in der Namenslinie, der tatsächlich Pastor wurde.“ Entscheidender war für ihn viel mehr seine Zivildienstzeit. „Damals betreute ich ältere Menschen, erledigte Einkäufe für sie und hörte ihre Lebensgeschichten. Das hat mich bereichert.“

Am 15. Juni 2001 kam er nach der Vikarzeit als Nachfolger für Pastorin Ebba Stockhausen nach Neumünster, zunächst als Pastor zur Anstellung. „Ich habe mich noch bei Propst Jürgensen vorgestellt und wurde dann in die Bonhoeffer-Gemeinde zu Pastor Martin Klatt geschickt“, erinnert er sich. Zu seinem großen Erstaunen stellte er dabei fest, dass er in der Stadt bereits Vorfahren hatte. „Die Eltern meiner Urgroßmutter hatten eine Gastwirtschaft am Kleinflecken. Und die Schwester meiner Urgroßmutter war mit dem Brauereimeister Detlef Hinrich Hinselmann verheiratet. Nach ihr ist die Marienstraße benannt.“ Schnell lebte er sich hier ein, kümmerte sich im Laufe der Jahre vor allem um die Bereiche Kindergarten und Ökumene. Darüber hinaus engagierte er sich ehrenamtlich im Stadtteil.

So gehört Gottesleben zu den Gründungsmitgliedern des Ruthenberger Sportvereins, der mittlerweile jedoch kaum mehr präsent ist. Seit der Kommunalwahl 2013 sitzt er zudem als stellvertretender Vorsitzender im Stadtteilbeirat Brachenfeld-Ruthenberg. Ein Amt – im Auftrag der Grünen (er ist aber kein Parteimitglied) – um das er sich eigentlich gar nicht bewerben wollte. Doch bei drei SPD- und drei CDU-Kollegen war er damals das „Zünglein an der Waage“ und wählte Uwe Holtz zum Vorsitzenden. Den Posten allerdings reklamierte Gerd Kühl für sich, da die CDU stärkste Fraktion wurde. Kühl lehnte es daraufhin ab, Stellvertreter zu werden. „Also habe ich das übernommen, aber immer schon mit dem Wissen, es nur so lange zu machen, bis ich Neumünster verlasse“, sagt Gottesleben. Das ist nun der Fall. Am Mittwoch, 22. Februar, tritt er in dem Gremium zurück. Sein Nachfolger als Beiratsvize soll laut Stadtteilvorsteher Uwe Holtz Hans-Jürgen Gorba (CDU) werden.

Der Verabschiedungsgottesdienst findet am 26. Februar statt. Die volle Stelle ist bereits neu ausgeschrieben. Übergangsweise übernimmt Pastorin Ulrike Witte sein Amt gemeinsam mit den Pastoren Michael Marwedel (Wittorf) und Martin Rühe (Kirchengemeinde Rickling).

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erstellt am 09.Feb.2017 | 08:15 Uhr

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